Der Leuchtturm von Leutschenbach

Der Leuchtturm von Leutschenbach

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Teaserbild-Quelle: zvg
Wenn am Abend um 20 Uhr Meteo auf SF1 über den Bildschirm flimmert, dann ist es je nach Kameraeinstellung im Hintergrund gut sichtbar: das neue Wahrzeichen von Leutschenbach, der Leutschentower. Auffällig ist seine Farbgebung mit goldfarbenen Aluminiumlisenen und den orangefarbenen Rahmen, hinter denen sich die eingezogenen Loggien befinden. Damit ist er schon von weitem erkennbar und betreffend Gestaltung unverkennbar.
 
 
Die Arigon Generalunternehmung AG ent-wickelte dieses Bauvorhaben im Auftrag der Brunner Erben Gruppe. Das Projekt wurde im Rahmen eines Studienauftrags unter sechs renommierten Architekturbüros ausgewählt und weiterentwickelt. Das Büro Bétrix & Consolascio Architekten AG, welches unter anderem auch für die Gestaltung des Letzigrundstadions verantwortlich zeichnet, hat einmal mehr ein aussergewöhnliches Gebäude entworfen. Die Bewil-ligungsphase verlief aufgrund zuverlässiger Vorabklärungen reibungslos. Beim anschliessenden Verkaufsprozess wurde das Projekt verschiedenen namhaften Investoren vorgestellt. Mit der Swiss Life AG, mit der Arigon bereits mehrere Projekte realisiert hat, konnte ein verlässlicher Investor gefunden werden. Die Ausführungsplanung wurde von Zwimpfer Partner Architekten AG aus Basel übernommen.

Herausfordernde Logistik

Seitens Arigon ist Thomas Lock für die Bauleitung verantwortlich. «Für mich war und ist es immer noch ein spannender, aber auch herausfordernder Bau», meint er. «Ein derart hohes Gebäude zu bauen, erfordert logistisch eine durchdachte Koordination. Daher garantieren minutiös geplante, wöchentliche Ablaufprogramme einen speditiven Bauablauf.
 
Um die grossen Mengen von Baumaterialien in die oberen Geschosse zu befördern, wurde mit zwei Fassadenliften gearbeitet.» Das Gerüst ist mittlerweile rückgebaut. Dies bedeutete eine logistische Meisterleistung, galt es doch, Hunderte von Verankerungspunkten zu lösen und zu verblenden. Der Rückbau nahm rund zwei Monate in Anspruch, da Gerüst und Sicherheitsnetz geschossweise rückgebaut werden mussten. Nun sind der Turm und der dazu liegende lange Riegel in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Die Architektur ist anspruchsvoll und qualitativ hochstehend. Der strenge Raster, der bei vielen Hochhäusern zu sehen ist, wird hier von Rahmenelementen durchbrochen, hinter denen sich die grosszügigen Balkone der Wohnungen befinden. Durch diese Differenzierung in der Fassade ist schon von aussen erkennbar, dass es sich hier nicht um ein Dienstleistungsgebäude sondern um ein Wohngebäude handelt. Auch die Materialisierung und die Farbgebung in warmen Gold- und Orangetönen vermitteln ein Bild der Behaglichkeit und damit grenzt sich dieser Turm wohltuend von den kalten, abweisenden Dienstleistungshochhäusern ab, obwohl in den unteren Geschossen auch Büroräume zu finden sind. Diese öffentlicheren Räume sind jedoch mit einem Rasterwechsel von den oberen Wohngeschossen optisch getrennt. «Im Wohnbereich gibt es einen Raster von 90 Zentimetern im Bürobereich einen von 1,35 Metern», erklärt Thomas Lock die Metrik. Dadurch ist die Gliederung des Baus schon von aussen klar ablesbar und erkennbar, dass in den oberen zwei Geschossen des liegenden Baus ebenfalls Wohnungen zu finden sind. Hier kommen zwei grosse 4,5-Zimmer-Wohnungen zu liegen. Im Turmgebäude wird, da Leutschenbach kein typischer Familienstandort ist, der Schwerpunkt auf kleinere Wohnungen gelegt. Die Mietpreise erstrecken sich von 1400 Franken für eine 2,5-Zimmer-Wohnung in der fünften Etage bis 3700 Franken für eine 3,5-Zimmer-Wohnung im obersten Geschoss. Das Turmgebäude bietet ab der sechsten Etage einen Ausblick bis zu den Alpen.

Ein Hauch von Süden

Damit man die Aussicht auch geniessen kann, verfügt jede Wohnung über ein durchgehendes Fensterband mit niedriger Brüstungshöhe. Die Absturzsicherung wurde mit einem Glaselement gewährleistet, das optisch kaum ins Auge sticht. Der eingezogene Loggiabereich, der von Aussen mit den bereits erwähnten, orange-farbenen Rahmen gekennzeichnet ist, gibt der Wohnung etwas Südländisches, und der goldene Deckenanstrich in diesem Bereich wird auch die düsteren Tage in unseren Breitengraden etwas aufhellen. Der Bodenbelag ist innen wie aussen aus hochwertiger Eiche und da der Austritt auf die Loggia schwellenlos vollzogen wird, verschmelzen Innen- und Aussenraum vollends miteinander – und dies auch noch im 18. Stockwerk. Seitens der Bautechnik war im Innern der hohe geforderte Brandschutz nicht so einfach zu erstellen. «Von den EI 30 Anforderungen innerhalb der Wohnung steigt der Brandschutzfaktor direkt auf EI 90», erklärt Thomas Lock. «Faktisch gesehen bildet jede einzelne Wohnung einen Brandabschnitt. Auch der Einbau der Rauchschutzanlage im Treppenhaus bescherte uns am Ende noch eine Knacknuss, da der Platz im Installationsschacht nicht üppig bemessen war und die Rauchschutzanlage auf jeden Fall von den Elektroinstallationen getrennt werden musste.» Die Feinverteilung der Installationen erfolgt in allen Geschossen via Hohlboden. So kann eine nachträgliche Aufrüstung einfacher vollzogen werden, was ein Beitrag an die Nachhaltigkeit des Gebäudes darstellt. Ein anderer Beitrag an die Flexibilität des Hochhauses ist dessen Skelettbauweise. Der Einsatz von Leichtbauwänden, welche jedoch sehr hohe Anforderungen bezüglich in diesem Bereich wird auch die düsteren Tage in unseren Breitengraden etwas aufhellen. Der Bodenbelag ist innen wie aussen aus hochwertiger Eiche und da der Austritt auf die Loggia schwellenlos vollzogen wird, verschmelzen Innen- und Aussenraum vollends miteinander – und dies auch noch im 18. Stockwerk.
 
Seitens der Bautechnik war im Innern der hohe geforderte Brandschutz nicht so einfach zu erstellen. «Von den EI 30 Anforderungen innerhalb der Wohnung steigt der Brandschutzfaktor direkt auf EI 90», erklärt Thomas Lock. «Faktisch gesehen bildet jede einzelne Wohnung einen Brandabschnitt. Auch der Einbau der Rauchschutzanlage im Treppenhaus bescherte uns am Ende noch eine Knacknuss, da der Platz im Installationsschacht nicht üppig bemessen war und die Rauchschutzanlage auf jeden Fall von den Elektroinstallationen getrennt werden musste.» Die Feinverteilung der Installationen erfolgt in allen Geschossen via Hohlboden. So kann eine nachträgliche Aufrüstung einfacher vollzogen werden, was ein Beitrag an die Nachhaltigkeit des Gebäudes darstellt. Ein anderer Beitrag an die Flexibilität des Hochhauses ist dessen Skelettbauweise. Der Einsatz von Leichtbauwänden, welche jedoch sehr hohe Anforderungen bezüglich Brandsicherheit und Akustik einhalten müssen, ermöglicht variable Grundrisse. Leutschenbach ist eines der am schnellsten wachsenden Quartiere der Stadt Zürich. Seine Heterogenität, welche vom Arbeiterhäuschen mit Schrebergarten über mächtige Bürokolosse und Standardwohnblöcke bis hin zu alt eingesessenen Handwerksbetrieben mit Werkhof reicht, macht den Charme der Gegend aus. Mit dem Schulhaus Leutschenbach, der Siedlung am Alexander-hof, dem Bürokomplex Quadro und nun mit dem Leutschentower wurden im Quartier wichtige, architektonisch hervorragende Zeichen gesetzt. Sie strahlen wie Leuchttürme über die engen Grenzen des Quartiers hinaus. (Anita Simeon Lutz)