Der Lehm wölbt sich bei der ETH

Der Lehm wölbt sich bei der ETH

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Teaserbild-Quelle: Gian Salis / ETH Zürich

Studenten des Departements Architektur der ETH haben einen besonderen Pavillon geschaffen: Seit gestern steht ein kleiner Bau aus vorgefertigten Stampflehmelementen auf dem Campus Hönggerberg. Er soll nicht nur zum Verweilen einladen, sondern auch Erkenntnisse darüber liefern, wie beständig Lehmbauten sind.

Der elegant geschwungene, fünf Meter hohe Unterstand setzt sich aus sechs weiten Bögen und sechs gegen aussen geöffneten Gewölben zusammen. Das Bauwerk zeichne sich durch ein einzigartiges Konstruktionsprinzip aus, teilt die ETH mit. Es sei zum ersten Mal gelungen, ein Gewölbe mit vorgefertigten Elementen aus nicht stabilisiertem Stampflehm zu bauen. Entworfen, konstruiert und gebaut haben es Studenten im Rahmen eines Lehr- und Forschungsprojektes, in dem sie sich mit dem Baustoff Lehm praktisch und theoretisch auseinander setzten sowie dessen Konstruktionsmöglichkeiten ausloteten.

Zwar werden mit Lehm seit Jahrtausenden Häuser errichtet, aber im Laufe der Zeit hat ihn der Beton verdrängt. Zumal Lehm verschiedene Nachteile hat, so kann er zwar Druck- aber keine Zugkräfte aufnehmen, er braucht relativ lange zum zu trocknen und fest zu werden. Decken und Böden lassen sich nur mit Hilfe von Lehmziegeln und Mörtel bauen. Seine Vorteile könnten dies aufwiegen: Lehm braucht kaum Chemikalien um auszuhärten, ist fast überall verfügbar, lässt sich ohne grossen Aufwand wiederverwerten und beinhaltet kaum graue Energie.

Durch die Möglichkeit der Vorfabrikation von Stampflehmelementen habe man heute komplett neue Möglichkeiten, erklärt Gian Salis, Dozent an der Professur für Architektur und Konstruktion und Leiter des Projektes. Dank innovativer Konstruktion könne Lehm durchaus als dauerhaftes Baumaterial eingesetzt werden.

Für den Pavillon stellten die Studenten 19 Stampflehmelemente her, aus denen schliesslich die Kuppeln und Bögen gebildet wurden. Dies geschah mittels Holzformen, die sie selber zimmerten, und in die sie den Lehm einschichteten. Danach trockneten die einzelnen Teile während zweier Monate. Im Sommer starteten schliesslich die Bauarbeiten auf dem Campus. Wie die ETH mitteilt, kam man allerdings nicht ganz ohne herkömmliche Baustoffe aus. Das heisst: Es musste ein Fundament aus Beton angelegt werden. Um den Lehm vor Nässe zu schützen, erhielt der Pavillon überdies ein Dach aus Metallblech.

Deonnoch: Bauen ganz ohne Beton ist kaum möglich. Wie Salis erklärt, sei die Vision nicht, den Beton vollumfänglich von der Baustelle zu verbannen, sondern vielmehr diesen nur dort einzusetzen, wo er unverzichtbar sei. (mai)