Der Landi-Stuhl ist zurück

Der Landi-Stuhl ist zurück

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Teaserbild-Quelle: Bild: R. G. Winkler, Bad Godesberg; wikimedia, CC
Pünktlich zum 75. Jubiläum der Landi von 1939 ist der gelochte Aluminiumstuhl von Hans Coray, der damals für Aufsehen und Spott zugleich sorgte, wieder da.

1938 gewann der promovierte Romanist Hans Coray (1906-1991) den Wettbewerb für ein Stuhlmodell, das auf dem Gelände der Landesausstellung genutzt werden sollte. Künstler und Architekten waren begeistert von der spartanischen Sitzschale mit 91 Löchern, die auf einem Rohrgestell ruht. Die Mehrzahl der Landi-Besucher glaubte bei dem Sitzmöbel, das aus einer Aluminumlegierung besteht, ein Ähnlichkeit mit Käse zu sehen, einige beschwerten sich gar. Heute gehört das Möbel zu den meistverkauften Freilandstühlen des 20. Jahrhunderts.

Die P. & W. Blattmann Metallwarenfabrik in Wädenswil (MEWA) stellte seit 1939 das Ur-Modell her, das nach Ende der Landesausstellung für 5 Franken pro Stück von den Besuchern erworben werden konnte und ab 1962 nur noch 60 statt bisher 91 Löcher aufwies. Als Aluminiumstuhl versinnbildlichte das Möbel die schweizerische Aluminiumindustrie, die als nationales Vorzeigeprojekt an der Ausstellung 1939 präsentiert wurde. Dank dem Bau von Wasserkraftwerken verfügte die Schweiz damals über die nötigen Elektrizitätsmengen für die Schmelzflusselektrolyse, die bei der Aluminiumgewinnung entscheidend ist.

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Bild: R. G. Winkler, Bad Godesberg; wikimedia, CC
Das Original: Landi-Stuhl von 1938

Ab 1970 wurde der Stuhl unter dem Namen „Spartana“ bei Zanotta in Italien produziert, bis die MEWA-Pleite im 2001 und Rechtsstreitigkeiten der Massenproduktion vorerst ein Ende setzten. Die Schweizer Westermann AG fertigte von 2007 bis 2012 den Stuhl wieder im  Original-Design. Nun, im Jubiläumsjahr der „Landi“, ist die Vitra der offizielle Hersteller des drei Kilogramm leichten Stapelstuhls, der wieder 91 Löcher aufweist. Der Stuhlentwurf und seine Herstellung waren in vieler Hinsicht wegweisend, da er die charakteristische Perforation und den Material sparenden Leichtbau aus dem Flugzeugbau entlehnte und Verfahren der Härtung, Oberflächenbehandlung in ein Massenprodukt brachte. Der Landi-Stuhl ist heute in allen bedeutenden Design-Museen der Welt vertreten und zierte im Jahr 2004 sogar eine Sonderbriefmarke der Schweizerischen Post.(tw)