Der erste vertikale Wald der Welt

Der erste vertikale Wald der Welt

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Teaserbild-Quelle: zvg
Grossbaustellen sind in Städten keine Besonderheit. Im Herzen Mailands jedoch entstehen zurzeit zwei neue Hochhäuser, die zum Vorzeigeprojekt der nachhaltigen Architektur werden könnten. Das Projekt Bosco Verticale ist nämlich als Wald konzipiert.
 
Noch ist nicht Revolutionäres an der Baustelle zu entdecken. Zu sehen sind nur zwei kahle 80 und 112 Meter hohe Betongebäude. Die Fassade dieser Bauten sollen dereinst aber mit 480 grosse und mittlere Bäume, 250 kleine Bäume, 5000 Büsche und 11’000 Bodendecker-Pflanzen bewachsen sein. Die Steineichen, Flaumeichen, Manna-Eschen, Felsenbirnen, Blaseneschen, Wilde Birnen, Erdbeerbäumen, Weissdornen, Geisskleen oder Fliedern sollen im Sommer nicht nur Schatten spenden, sondern die sommerlich Erwärmung der Innenräume und deren Klimatisierung verringern. Die bis zu 9 Meter hohen grünen Riesen sollen aber auch gegen Wind, Partikelbelastung und Lärm schützen. Die Pflanzen wurden von den Architekten des Boeri Studios speziell entsprechend ihrer Wuchshöhe und ihrer Position an der Fassade ausgewählt.
 
Weil nur Laubbäume gepflanzt werden, die im Winter ihre Blätter verlieren und dann keinen Schatten mehr spenden, kann die Wintersonne durch die nackten Zweigen hindurch dringen und die Wohnungen der Hochhäuser kostenfrei erwärmen. Die Bäume erhalten Wasser und Nährstoffe über ein enormes Bewässerungssystem, das das Brauchwasser der Hochhäuser wieder verwendet. Die Architekten betonen dennoch, dass die Baukosten nur 5 Prozent über denen liegen, die sonst ohne diese Massnahmen entstanden wären.
 

Bäume nicht genug verwurzelt

Der Komplex, in dem die Gebäude errichtet werden, beherbergt Wohnungen, Geschäfte, Büros, ein Hotel, Sozialeinrichtungen, Kulturzentren, kreative Zonen sowie grosse Flächen für Ausstellungen, für Grünzonen und für Fussgänger oder Radfahrer auf 160’000 Quadratmetern. Kritiker aber warnen davor, dass Bäume nur dann langfristig gesund bleiben können, wenn sie tief verwurzelt sind – was auf Terrassen unmöglich ist. Dennoch gilt das Bosco Verticale als ambitioniertes Projekt mit Zukunft. (ffi/mgt)