Der "Brummkreisel" feiert Geburtstag

Der "Brummkreisel" feiert Geburtstag

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Teaserbild-Quelle: Wikimedia
Kochtopf, Kloschüssel und Brummkreisel – das sind die wenig schmeichelhaften Übernamen, mit denen Spötter das Guggenheim-Museum in New York schon bedachten. Trotzdem ist das markante Gebäude längst eine Ikone der Architektur geworden. Heute vor 50 Jahren feierte es seine Eröffnung – nach einer langwierigen Baugeschichte.
 
 
Bis der spiralförmige Rundbau beim Central Park von Frank Lloyd Wright überhaupt gebaut werden konnte, dauerte es über 13 Jahre. Im Jahr 1943 erhielt Lloyd Wright vom amerikanischen Industriellen Solomon R. Guggenheim und dessen Beraterin Hilla Rebay den Auftrag zur Planung des Gebäudes. Doch dabei geriet er immer wieder in Konflikt; und zwar nicht nur mit seinen Auftraggebern sondern auch mit der Kunstszene und der Baubehörde. Letztere hatte insgesamt 32 Einwände, weswegen sich der Baubeginn verzögerte. Und die Inflation trug ebenfalls das Ihre dazu bei. Aber auch Rebay drückte dem Museum ihren Stempel auf. Die weisse Farbe der Fassade geht auf sie zurück. Wäre es nach Wright gegangen, hätte der Bau rot werden sollen und ursprünglich wollte er einen grossen Teil des Gebäudes als Glasbau erstellen. Zudem war Wright nicht zufrieden mit dem Standort: er hielt New York für zu überbevölkert und zu verbaut für sein Museum. Schliesslich konnten 1956 endlich die Bauarbeiten aufgenommen werden. Am 21. Oktober 1959 wurde das Museum eröffnet. Wright erlebte die Eröffnung nicht mehr, er war damals schon ein halbes Jahr tot.
 
Im weitesten Sinne hat der Bau eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Garage: Die Besucher fahren mit dem Lift nach oben und wandeln dann den Ausstellungsstücken entlang auf einer spiralförmigen Rampe dem Ausgang zu. Wright war fasziniert von Autos und besass selber exklusive Wagen. Zudem versuchte er sich – wenn auch eher erfolglos – im Autodesign. Möglich, dass deshalb die Ähnlichkeit des Museumskonzeptes mit einer Garage unter anderem darin gründet. Wright sah es anders. Der Bau sollte ein Versuch darstellen, die Plastizität organischer Strukturen in der Architektur umzusetzen. So oder so, der Bau polarisierte: „Ein Gebäude, das in einem Museum ausgestellt werden sollte, um zu zeigen, wie verrückt das 20. Jahrhundert ist“, giftete der New York Daily Mirror. Derweil schwärmte Architekt Philip Johnson, das Museum sei Wrights grossartigstes Werk, New Yorks grossartigstes Gebäude und einer der grossartigsten Räume des 20. Jahrhunderts.
 
Die Guggenheim Foundation bewies übrigens nicht nur mit ihrem New Yorker Museum ein Händchen für extravagante Architektur. Der Bau von Frank O. Gehry in Bilbao zeugt ebenfalls davon. (mai)