Dem Übernahme-Streit zum Trotz: Sika legt Rekordjahr hin

Dem Übernahme-Streit zum Trotz: Sika legt Rekordjahr hin

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Der Zuger Bauchemie- und Klebstoffkonzern Sika hat seinen Rekordgewinn aus dem Vorjahr bereits wieder überboten. Der Reingewinn wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 5,4 Prozent auf 465 Millionen Franken.

Rekorde erzielte das Unternehmen auch beim Betriebsergebnis (EBIT) sowie beim operativen freien Geldfluss, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Im Vorjahr hatte ein Gewinn von 441 Millionen Franken resultiert. Die Aktionäre sollen in Form einer höheren Dividende vom Rekordgewinn profitieren. Der Verwaltungsrat schlägt deshalb vor, sie von 72 auf 78 Franken pro Inhaberaktie respektive von 12 auf 13 Franken pro Namenaktie zu steigern. Das wäre ein Plus von 8,3 Prozent.

Der Umsatz von Sika ist leicht zurückgegangen, und zwar erstmals seit 2009. Er beträgt knapp 5,5 Milliarden Franken, was einem leichten Rückgang von 1,5 Prozent entspricht. Verantwortlich dafür war die Frankenstärke, die das starke Wachstum im Ausland bei der Umrechnung schmelzen liess. In Lokalwährungen umgerechnet resultierte allerdings ein Plus von 6,2 Prozent.

Die Verkäufe legten in sämtlichen Regionen zu, insbesondere in Lateinamerika (plus 9,5 Prozent) und Nordamerika (plus 8,4 Prozent). Sika eröffnete im vergangenen Geschäftsjahr ausserdem neun Fabriken und gründete drei Ländergesellschaften.

Als Wachstumstreiber bezeichnet Sika die Schwellenländer und das Mörtelgeschäft. Bei letzterem konnte eine Umsatzsteigerung von 12,9 Prozent erzielt werden. Dieses Geschäft, das besonders hohe Margen abwirft, gilt als jener Bereich, bei dem Sika und Saint-Gobain direkte Konkurrenten sind.

Beide bleiben stur

In ihrer Mitteilung bekräftigt Sika ihre Haltung, sich gegen den „feindlichen Übernahmeversuch“ des Franzosen zu wehren. Zusammen mit den Publikumsaktionären seien Verwaltungsrat, Konzernleitung, die 160 Senior Manager sowie Arbeitnehmervertreter unverändert dagegen. Die erfreuliche Geschäftsentwicklung unterstreiche denn auch die Notwendigkeit, diese Haltung beizubehalten. Sika ist überzeugt, dass noch immer „jeglicher Beleg fehlt, der für eine industrielle Logik der Transaktion sprechen würde“. Bekanntlich möchte Saint-Gobain das Zuger Unternehmen mit einem Kapitalanteil von 16 Prozent kontrollieren. „Dies führt zu Interessenkonflikten. Wegen der angedachten Mehrheit von Saint-Gobain im Sika-Verwaltungsrat wären die Interessen der Publikumsaktionäre nicht mehr genügend vertreten“, heisst es im Communiqué.

Auch Saint-Gobain bleibt bei seiner Haltung, die Sika übernehmen zu wollen, wie während der Publikation der Jahresergebnisse gestern Donnerstag erneut bekräftigt wurde. Man sei zuversichtlich, dass dies gelingen werde. Diese Zuversicht schöpft Saint-Gobain aus verschiedenen Urteilen zu Teilaspekten des Streits sowie aus den Genehmigungen der Wettbewerbsbehörden. Das letzte Hindernis zum Ziel bleibe die Limitierung der Namensstimmrechte der Familienholding SWH, heisst es beim französischen Konzern. Der Sika-Verwaltungsrat hatte im Kampf gegen den Verkauf die Stimmrechte der Gründerfamilie beschränkt. Aus diesem Grund kann Saint-Gobain die Kontrolle über die Zuger Firma vorerst nicht übernehmen. Ob letztere rechtmässig gehandelt hat, muss vor Gericht entschieden werden. Bei Saint-Gobain glaubt man, dass das Kantonsgericht Zug in dieser Streitfrage bis im Sommer ein Urteil abgeben wird.

Saint-Gobain steigert Gewinn

Derweil hat Saint-Gobain seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr steigern können, und zwar um 3,3 Prozent auf 39,6 Milliarden Euro. Organisch sei man leicht um 0,4 Prozent gewachsen. Der operative Gewinn nahm um 4,5 Prozent auf 2,64 Milliarden Euro zu, während der Reingewinn um 36 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro in die Höhe kletterte. (sda/pd/mt)