Dem „Kesseltreiben“ ein Ende bereiten

Dem „Kesseltreiben“ ein Ende bereiten

Gefäss: 
Stadtbauten-Bern-Direktor Rudolf Lanzrein tritt von seinem Amt zurück. Auslöser ist der Schlussbericht über die Kostenüberschreitungen beim Berner Bärenpark. – Mit seinem Rücktritt will Lanzrein den Stadtbauten Bern (StaBe) eine „unbelastete Zukunft ermöglichen“.
 
Dem „in Politik und Medien betriebenen und auch zukünftig zu erwartenden Kesseltreiben“ gegen ihn als CEO wolle Lanzrein ein Ende bereiten. Dies teilten die Stadtbauten Bern (StaBe) mit. Gleichentags besprach der Verwaltungsrat, der das Rücktrittsangebot Lanzreins angenommen hat, an einer Sitzung den Schlussbericht der Administrativuntersuchung zum Bärenpark. Bis im Herbst 2010 werde mit Lanzrein eine einvernehmliche Lösung ausgehandelt. Diese dürfte zu einer vorzeitigen Pensionierung oder einer Weiterbeschäftigung in einem anderen Aufgabenbereich führen. Der StaBe-Verwaltungsrat dankte Lanzrein für seinen "grossen Einsatz für Stadtbauten Bern und damit für die Stadt Bern". Für die Leitung bei StaBe will der Verwaltungsrat eine Übergangslösung finden, die auf Anfang nächsten Jahres operativ werden soll. Dabei werde eine interne Besetzung angestrebt.

Zu spät informiert

Für die hohe Kostensteigerung beim Bärenpark gab es mehrere Gründe. Dies hatte eine Administrativuntersuchung ergeben, die vor knapp einer Woche vorgestellt wurde. (Siehe dazu den Artikel „Elf Millionen teures Chaos“ vom 2. Juli 2010) Neben der schlechten Abklärung des Baugrunds führten auch Informationsmängel und unklare Rollen zu Problemen. Mängel orteten die Autoren des Berichts vor allem beim Projekt- Lenkungssauschuss. Fehler gab es aber auch beim Projektleiter der StaBe und beim externen Bautreuhänder, während StaBe-Direktor Lanzrein bezüglich Kostenüberwachung nichts falsch gemacht habe. Er habe aber den Verwaltungsrat zwischen Dezember 2008 und September 2009 ungenügend informiert. Der StaBe-Verwaltungsrat hält in seiner Mitteilung denn auch fest, dass die zu späte Information durch Lanzrein bereits im letzten Jahr entsprechend gerügt worden sei. Dabei sei anzufügen, dass Lanzrein vom Gemeinderat als Vertreter der Grundeigentümer in den Lenkungsausschuss berufen wurde.

Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt

Nachdem die Schwierigkeiten beim Projekt Bärenpark bekannt wurden, habe man der Geschäftsleitung untersagt, in Projektorganisationen Einsitz zu nehmen, bei denen die Verwantwortlichkeiten nicht absolut klar geregelt seien, teilte der StaBe-Verwaltungsrat weiter mit. Auch wurde die Geschäftsleitung angewiesen, den kritisierten Projektleiter nicht mehr mit der Leitung von hochkomplexen Projekten zu beauftragen. Als zusätzliche Massnahme werde der Verwaltungsrat regelmässig die adäquate Besetzung der Projektleitungen prüfen. Ausserdem werden die während der Administrativuntersuchung gestoppten Gerichtsverfahren mit den Planern und Geologen würden wieder aufgenommen. Die von ihnen beantragte Administrativuntersuchung habe kein Verschulden ihrerseits gezeigt, heisst es weiter seitens der StaBe. Weder der Verwaltungsrat noch die Geschäftsleitung seien in der Projektorganisation aufgeführt gewesen. Bezüglich der Kostenüberwachung könne der StaBe-Geschäftsleitung kein Vorwurf gemacht werden. Gemäss Bericht liegt die Schlussabrechnung zwar noch nicht vor, doch steht heute ein Kostenmaximum für den Bärenpark von 21,3 Millionen Franken fest. Das sind 6,8 Millionen mehr als die 14,5 Millionen, die nach einer ersten Kostenerhöhung bis zum Herbst 2009 als Baukosten galten. (sda)