Dein, Mein, Unser: Bauhaus erforscht Freude am Teilen

Dein, Mein, Unser: Bauhaus erforscht Freude am Teilen

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Hinter dieser rekonstruierten Gartenmauer mit integrierter Trinkhalle von Mies van der Rohe, in wieder errichteten Meisterhäusern, soll von Mai bis Juli der IKEA-Bauhaus "Summer of Love" stattfinden.
Unter dem Motto „The New Joy of Sharing“ bietet das Bauhaus Dessau eine Sommerakademie an. Das Thema Teilen wird erst erforscht und dann probiert.

Unter jungen und jung gebliebenen Leuten bahnt sich seit Jahren eine neue soziale Bewegung ihren Weg: das Teilen. Spätestens mit der Occupy-Bewegung in den USA erreichte der Begriff der „Share Economy“ auch den Medien-Mainstream. Von letzterem unbeachtet, war die Sache mit der Räumung der basisdemokratischen Camps an der Wall Street nicht zu Ende.

Hinter dieser rekonstruierten Gartenmauer mit integrierter Trinkhalle von Mies van der Rohe, in wieder errichteten Meisterhäusern, soll von Mai bis Juli der IKEA-Bauhaus "Summer of Love" stattfinden.

Es war ein Startschuss. In bankrotten US-Grossstädten wie Detroit (MI) und kleinen europäischen Dörfern wie Langenegg in Vorarlberg ist der „Ernstfall“ des Ressourcen schonenden Teilens, Tauschens, Borgens und Schenkens eingetreten. Die Wiederentdeckung des Gemeinguts und der Mitbestimmung bei allem, was das Leben oder Überleben betrifft, ist vielerorts auf dem Weg. Bauernkooperativen in Indien legen Saatgutbänke an, um die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu schützen, und selbst in Gaza, einem der am schlechtesten versorgten menschlichen Siedlungsräume im Mittelmeerraum, setzen die Einwohner aus purer Not auf das Gemeinschaftsprojekt Energiewende, und bauen Solarstromanlagen mit den wenigen Ressourcen, die im Land verfügbar sind.

Wie teilen oder Wie? Teilen?

Wieder andere hingegen verstehen die „Sharing Economy“ nicht als Chance für Milliarden, sondern als Chance auf Milliarden. Sie haben das Teilen in „kollaborativem Konsum“ oder „Peer Economy“ umgemünzt. Die Gründer zahlreicher Unternehmen wie Ebay, Google, Facbook oder Airbnb starteten einst mit guten Absichten, und dank Web 2.0 kann man heute fast überall alles mit allen tauschen, teilen, besprechen oder organisieren. Doch Worte wie „Teilen“ und „Geschenke“ verkommen ebenso häufig zu nützlichen, kommerziellen Worthülsen.

Auch das Bauhaus in Dessau, im 20. Jahrhundert einer der Katalysatoren für den kulturellen und sozialen Aufbruch, hat erkannt, dass Teilen ein grosses Thema ist. Anlässlich der Eröffnung der wieder errichteten Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy im Mai laden das Bauhaus und Geldgeberin IKEA-Stiftung junge Gestalter der Fachrichtungen Architektur, Design und Kunst ein, als „Designers in Residence“ die Auswirkungen der neuen Formen des Nachnutzens von Gegenständen, Räumen und Gebäuden auf die Gestaltung von Produkten zu erforschen. Drei Gestalter können sogar ein Bauhausstipendium mit Kost und Logie für drei Monate erhalten, wenn sie sich bis zum 11. April anmelden.

Im Juli und August folgt dann der IKEA Bauhaussummer 2014 unter dem Thema „YOURS – MINE – OURS. The New Joy of Sharing“. Anders als die 68er des letzten Jahrhunderts werden die Teilnehmer dort wahrscheinlich weniger Sex, Drugs and Rock’n Roll, sondern eher Gegenstände, Räume, Ideen und andere alltägliche Dinge teilen, borgen, tauschen oder verschenken. Materiell oder immateriell, live vor Ort oder im Internet. Anmeldefrist für diesen IKEA-Bauhaus-„Summer of Love“ ist der 31. Mai.(tw)