Das sauberste Atomkraftwerk

Das sauberste Atomkraftwerk

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Teaserbild-Quelle: Bild: AKW Zwentendorf
In der Schweiz wird über die Notwendigkeit neuer Atomkraftwerke gestritten. In Österreich ist man einen - kuriosen - Schritt weiter. Seit 1978 steht dort ein fixfertiges AKW, das nie in Betrieb ging. Stattdessen produziert das Kraftwerk Zwentendorf heute Solarstrom.
 
Bild: AKW Zwentendorf
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Bild: AKW Zwentendorf
Auf dem Kraftwerksgebäude steht heute ein Solarkraftwerk.
 
Ohne Atomstrom geht es sowieso nicht. Diesem Gedanken folgte der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky 1978. Er war sich der Zustimmung der Stimmbürger so sicher, dass er über die Inbetriebnahme des eben neu gebauten Atomkraftwerks Zwentendorf abstimmen liess. Ohne Atomstrom geht es sehr wohl, sagten die Österreicher und stimmten mit 50,47 Prozent für das Atomsperrgesetz, das eigene Kernanlagen verbietet. Trotz dieser in Europa einzigartigen Bestimmung ist Österreich kein "atomfreies" Land. Die grossen Stromkonzerne decken nach Schätzungen etwa 20 Prozent des Gesamtbedarfes mit importierten Atomstrom.
 
Dafür dürfte Österreich das Land mit dem saubersten AKW weltweit sein - die Anlage Zwentendorf ging nie in Betrieb. Das 64 Meter hohe Reaktorgebäude mit seinen orange gestrichenen Wänden atmet den Geist der 70er Jahre, ist aber gänzlich unverstrahlt. Erst seit einigen Jahren wurde das als Vorteil erkannt. Denn in Deutschland und Asien stehen zahlreiche Anlagen des selben Typs, die sich wegen des laufenden Betriebs nur schlecht für Schulungen eignen. Seit 2003 führt deshalb die Kraftwerksschule Essen in Zwentendorf Kurse durch. Angehende Reaktorführer und Facharbeiter können hier in aller Ruhe üben, wie man Brennstäbe wechselt, Schleusen bedient und Störungen behebt. Und im Gegensatz zu einem regulären Atomkraftwerk, das 18 Monate in Betrieb ist, bevor es zwei Wochen lang revidiert wird, kann in Zwentendorf beinahe rund um die Uhr geübt werden.
 
Seit die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) das Areal 2005 übernahm, hat sich auf dem Areal einiges getan. Auf dem Aussengelände testet man in Zusammenarbeit mit der TU Wien verschiedene Solarzellentypen in Langzeitversuchen. Davon erhofft man sich bei der EVN neue Erkenntnisse über die Effizienz und Abnutzung unterschiedlicher Zellen. Die 2009 in Betrieb genommene Anlage liefert insgesamt eine nutzbare Leistung von 190 Kilowatt. Verglichen mit den projektierten 700 Megawatt des Atomkraftwerks scheint das wenig. Doch wenn das Solarkraftwerk dereinst ausgebaut werden sollte, liesse sich der Strom problemlos einspeisen: Die massiven Freileitungen, die für den Anschluss des Reaktors gedacht waren, stehen immer noch. (ms)
 

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