Das Monster-Zeitzeugnis

Das Monster-Zeitzeugnis

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Teaserbild-Quelle: Foto: zvg
Die Zivilschutzanlage Sonnenberg wurde 1976 so konzipiert, dass darin bis zu 20’000 Personen Platz gefunden hätten. Sie war Autostrasse durch den Berg und ziviler Notbunker in einem, was einst als besonders clever galt. Mittlerweile wurde die Sonnenberganlage redimensioniert, die Tunnels gehören nur noch dem Strassenverkehr.
 
 
Wer über das erste Autobahntrassee der Schweiz auf der A2 durch den Sonnenberg in Luzern fährt, sieht an der Tunnelwand dreimal in grossen Lettern deklariert: „20’000 im Berg“ – ein stiller Hinweis auf die wohl ungewöhnlichste Zivilschutzanlage namens Sonnenberg in der Stadt Luzern. Konzipiert wurde sie 1976. Sie bestand aus den beiden Röhren der Autobahntrassee A2 und bot pro Röhre 10'000 Menschen Platz, insgesamt konnten in der Zivilschutzanlage also 20'000 Menschen untergebracht werden, deshalb auch der Spruch „20’000 im Berg“.
 
Nach der Übung „Ameise“ von 1987 – der einzigen grossen Funktionsprobe, die bei fast allen Beteiligten eine Art Trauma hinterlassen hat – wurde die Gesamtkapazität aber auf 17’000 Personen reduziert. An der Idee, dass man eine Autostrasse im Berg auch als zivilen Notbunker nutzen kann, hielt man jedoch fest, weil man sie als besonders clever einstufte, da zur Finanzierung des Projekts zwei nationale Geldzuflüsse genutzt werden konnten. Nach 25 Jahren gab man die einst gefeierte Multifunktionalität schliesslich aber auf: Heute gehören die Tunnels nur noch dem Strassenverkehr.
 
Die fünf- und siebenstöckigen Kavernen – das sind zwei Hochhäuser im Berg, die als Reiterbauten in der Mitte auf den Tunnels stehen – bieten immer noch 2000 Plätze und dienen zudem den Unterhaltsmitarbeitern von Stadt und Kanton Luzern. Die Räume des Notspitals nutzt heute die Polizei als Gefängnis. (Jürg Stadelmann)