Das Land des Lächelns ist überall

Das Land des Lächelns ist überall

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Paolo Camera/flickr
Kaum hat das von Herzog & de Meuron umgebaute Museum der Kulturen seine Wiedereröffnung gefeiert, wartet es mit einer neuen Sonderausstellung auf: Die Schau zum Thema „Chinatown“ gewährt Einblicke in schillernde und faszinierende Städte in den Städten, von Nagasaki über Belgrad bis nach San Francisco und London.
 
Paolo Camera/flickr
Quelle: 
Paolo Camera/flickr
Chinas ist auch in Europa: Maske am Chinesischen Neujahr in London.
 
Die ersten chinesischen Stadtteile wurden von chinesischen Händlern vor 200 Jahren in Nagasaki und Bangkok gegründet. Vor 150 Jahren begannen sich diese so genannten Chinatowns überall zu etablieren, in Melbourne (Australien), Lateinamerika, in den USA, in Kanada und in kleinerem Umfang auch in europäischen Städten. Die meisten Chinatowns mit ihrer oft traditionell-chinesischen Architektur sind sozusagen als chaotische Bebauungen entstanden. Sie haben eine hohe Bevölkerungsdichte und sind gesellschaftlich sowie kulturell unabhängig von der übrigen Stadt. Das zeigt sich unter anderem in der Pflege chinesischer Traditionen wie dem Neujahrsfest, der Religionen und Sprachen, meist Kantonesisch. Vor allem in den westlich orientierten Ländern führt aber die zunehmende Assimilation dazu, dass sich manche Chinatowns zu modernen Vierteln mit ausgebauter Infrastruktur entwickelt haben in denen die typischen rein chinesischen Elemente vor allem künstlerisch übersteigert, folkloristisch in Erscheinung treten.

Leben im Mikrokosmos

Die Ausstellung thematisiert die „Chinastädte“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln: von der in Chinatown arbeitenden Chinesin in dritter Generation, über den vorbeischlendernden Touristen bis zum eben angekommen Immigrant – sie erleben Chinatown unterschiedlich und sind Teil eines ebenso mannigfaltigen wie faszinierenden Mikrokosmos. Diese Ausstellung beleuchtet so einzelne Aspekte und verweist auf die Vielschichtigkeit der Chinatowns. Die Fragen der Raumkonstruktion, der Zugehörigkeit, der Identitätsfindung stehen dabei im Vordergrund. Realitäten, Wahrnehmungen und Interpretationen sind fortlaufend Veränderungen unterworfen.

Drachen und Goldrausch

Der Weg durch die Ausstellung führt durch einen goldenen „Paifang“, einem typischen Eingangstor, wie es auf der ganzen Welt in vielen Chinatowns anzutreffen ist. In diesem räumlich imposanten Tor wurden Nischen eingelassen, in denen Objekte platziert sind: auf der einen Seite aus dem ökonomischen Umfeld, auf der anderen Seite aus dem religiösen Umfeld - ein wahres Kaleidoskop des Glücks, denn die Objekte stehen je auf ihre Art für Reichtum und Glück, zwei Begriffe, die in China zusammengehören wie Yin und Yang.
 
Im Eingansbereich der Ausstellung stehen ein Paar Holzschuhe, die oft von chinesischen Immigranten getragen wurden. „Eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt“ sagt eine chinesische Redensart. An den Wänden sind Texte über historischen Begebenheiten angeführt, die das Phänomen Chinatown greifbar machen. In einem der Ausstellungsräume hängt ein imposanter, weisser Papierdrache, als augenfälliges Sinnbild des Markenimages China.
 
Daneben weist ein grosses Goldnugget auf den Goldrausch in Australien, Südafrika und Nordamerika hin, der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem enormen Anstieg der Abwanderung aus China geführt hat. Denn für die Migranten waren die Chinatowns zunächst Anlaufstelle, in der sie auf die wirtschaftliche und administrative Infrastruktur zurückgreifen konnten. Es waren aber auch Orte, an denen sie soziale Beziehungen aufbauen und pflegen konnten. Mithin stellen sie die Verbindung zum Heimatland sicher. Grossformatige Fotografien des aus Taiwan stammenden Fotografen Chien-Chi Chang, sowie eine Dia-Präsentation mit historischen und zeitgenössischen Bildern vermitteln einen Eindruck vom Leben in den Chinatowns der Welt. Die Dokumentation von Chang ist von beeindruckender Kraft und ergreifender Nähe.

Kaleidoskop des Glücks

Nach dem Tor wird die Medien-Installation „Chinatown“ von Chien-Chi Chang präsentiert. Der taiwanesische Fotograf hat während nahezu 20 Jahren das Leben von chinesischen Migranten in der Chinatown von New York fotografisch dokumentiert. In seinen Gesprächen mit den Migranten waren die Trennung von der Familie und die Einsamkeit immer wieder Thema. Dies führte dazu, dass Chien-Chi Chang in die Heimatprovinz der Migranten, nach Fujian in China reiste, um die "andere Seite", die Situation der Familien dort, in sein Projekt aufzunehmen. Dabei entstand ein fotografisches und filmisches Werk, das einen nachhaltigen Eindruck der Zerrissenheit, des „Dazwischenseins“ sowie der Identitätsprobleme von chinesischen Migranten vermittelt. (mai/mgt)
 
Die Ausstellung dauert bis 6. Mai 2012
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr,
Adresse: Museum der Kulturen, Münsterplatz 20, 4001 Basel
Internet: www.mkb.ch