Dank Wohnbau bald auf Höchststand

Dank Wohnbau bald auf Höchststand

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Teaserbild-Quelle: bb/KOF
 
Die aktuelle Berechnung des KOF-«baublatt»-Indikators deutet auf eine erhebliche Expansion der Baubranche hin. Zwar lassen die in der Vergangenheit ausgestellten Baubewilligungen in diesem Jahr noch einen Rückgang sowohl der Wohnbau- als auch der gesamten Bautätigkeit um 5 beziehungsweise 10 Prozent erwarten, doch im ersten Halbjahr 2011 werden sie die Bautätigkeit auf einen Höchststand bringen. Der Anstieg der Wohnbauinvestitionen dürfte in den ersten beiden Quartalen 2011 um etwa 18 Prozent über den in diesem Jahr verzeichneten Werten liegen. Die gesamten Bauinvestitionen nehmen in der gleichen Zeitperiode mit 14 Prozent beziehungsweise 21 Prozent in einem ähnlichen Ausmass zu. Sie erhöhen sich damit im 2. Quartal 2011 auf knapp 14 Milliarden Franken. Der Wohnbau trägt mit gut 7 Milliarden Franken etwas über die Hälfte dazu bei. Damit klettern die Investitionen im Bau auf das höchste bisher verzeichnete Niveau.

Vorläufige Ergebnisse aus der Bauerhebung des Bundesamts für Statistik (BFS) für das Jahr 2009 zeichnen ein positiveres Bild, als die beiden Bauindikatoren es bisher vermuten liessen. Die jetzt verfügbaren Informationen weisen eine Zunahme im Wohnbau um 4,1 Prozent statt 2,2 Prozent aus. Bei den gesamten Bauinvestitionen ergibt sich eine Zunahme von 1,9 Prozent anstelle einer Abnahme um 1,1 Prozent. Es bestätigt sich somit, dass die Bauinvestitionen stark zur Stabilisierung der Wirtschaft in der vergangenen Rezession beigetragen haben.

Die beiden KOF-«baublatt»-Indikatoren beziehen sich auf die nominellen Bauinvestitionen. Somit muss die Preisentwicklung mitberücksichtigt werden, um das damit verbundene Bauvolumen abschätzen zu können. In der Grafik «Baupreise» ist daher die vom BFS halbjährlich erhobene Preisentwicklung für Hochbauinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr sowie der von der KOF im Rahmen ihrer regelmässigen Umfrage in der Bauwirtschaft erhobene Saldo der Preiserwartungen für das laufende Quartal im Hochbau abgetragen. Mit Hilfe dieser Zusatzinformationen lässt sich das zu erwartende Bauinvestitionsvolumen für den Wohnbau beziehungsweise für die gesamten Hochbauinvestitionen ableiten.

Aus den vorhandenen Zahlen des BFS geht für die erste Jahreshälfte 2010 ein Anstieg der Baupreise von über 6 Prozent hervor. Zudem zeigen die jüngsten KOF-Umfrageergebnisse, dass jetzt auch eine Mehrheit der Schweizer Firmen von steigenden Preisen ausgeht. Die angezeigte Zunahme der Investitionen geht aber trotzdem zur Hauptsache auf ein erhöhtes Bauvolumen zurück.
 
(KOF)
 

Hintergrund

Obwohl die Bauwirtschaft nur gut fünf Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung beiträgt, machen die Bauinvestitionen etwa zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass auch die Vorleistungen zu einem erheblichen Teil aus dem Inland bezogen werden. Der Importanteil an den Bauinvestitionen ist somit vergleichsweise gering. Entsprechend dürften sich Änderungen in den Bauinvestitionen in höherem Ausmass als Schwankungen in anderen konjunkturreagiblen Branchen auf die restliche Wirtschaft übertragen. Voraussagen für die Bauinvestitionen sind darum nicht nur von Akteuren in der Baubranche und in den Zulieferbranchen, sondern auch allgemein von grossem Interesse.

Durch den Umstand, dass die meisten Bauvorhaben von einer staatlichen Bewilligung abhängen, liegt es nahe, Informationen über eingereichte Baugesuche und erteilte Baubewilligungen für die Vorhersage der zu erwartenden Bauinvestitionen zu nutzen. Die KOF hat daher die vom «baublatt» erhobenen Informationen über die Baugesuche und -bewilligungen ausgewertet und im Hinblick auf ihre Prognoseeigenschaften für die Bauinvestitionen untersucht. Auf Basis der Baubewilligungen hat die KOF zwei Indikatoren entwickelt, welche eine Voraussage über die zu erwartenden nominellen Investitionen im Wohnbau sowie für die Hochbauinvestitionen insgesamt in den nachfolgenden acht Monaten erlauben.

Diese beiden KOF-«baublatt»-Indikatoren werden viermal im Jahr publiziert und zeigen die zu erwartenden Investitionsausgaben in Millionen Franken sowie die Vorjahresveränderungsraten an. Die Indikatoren beziehen sich auf die nominalen Bauinvestitionen, weil die Angaben in den Gesuchen und Bewilligungen zu den geplanten Baukosten zu laufenden Preisen gemacht werden. Wegen der unter
schiedlichen Saisonalität der Baubewilligungen und der Bautätigkeit werden die Niveauangaben einer Saisonbereinigung unterzogen. Zu beachten ist, dass die hier vorliegenden Indikatoren implizit eine konstante Realisierungsquote der bewilligten Bauinvestitionsvorhaben unterstellen. Diese An­­nahme wird künftig zu überprüfen sein.
 
(bb)