Daheim in Zürich und zuhause in New York

Daheim in Zürich und zuhause in New York

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Teaserbild-Quelle: Tourism Development & Investment Company
Ob auf dem Flughafen oder in den eigenen vier Wänden, die Globalisierung hinterlässt überall ihre Spuren. Das Zürcher Museum für Gestaltung lädt zu einer Reise durch unseren globalisierten Alltag ein.
 
Tourism Development & Investment Company
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Tourism Development & Investment Company
Saadiyat Island in Abu Dhabi.
 
Egal ob sie den Caramel Macchiato in New York, Tokio oder Bern schlürfen, die Umgebung sieht für Starbucks-Kunden überall ähnlich aus: Auf der ganzen Welt finden sich dieselben ausladenden Sessel und Sofas. In jeder Filiale leuchten die Wände in warmen Brauntönen. Ähnliches gilt für die Läden von H&M: Was der schwedische Kleiderriese zum Trend erklärt, findet man in Zürich cool und in Tel Aviv oder Warschau ebenso. Und will man wissen, was auf der Welt geschieht, klickt man sich per Computer oder I-Phone durchs Internet, liest dort den „Tages-Anzeiger“ und amüsiert sich noch schnell bei US-Promiblogger Perez Hilton über die neuesten Eskapaden der Stars und Sternchen. Die geografischen Grenzen haben sich zu einem grossen Teil verwischt. Längst ist Globalisierung Teil unseres Alltags geworden, von der Lieblingsjeans über das Sushi-Take-away um die Ecke bis zur Facebookfreundin in Kanada.
 
Die Ausstellung geht der Frage nach dem Einfluss der Globalisierung auf das Design und auf unseren Alltag nach. Sie schärft den Blick vor allem für jene Dinge, die dermassen selbstverständlich „global“ geworden sind, dass man diesen Umstand schnell übersieht. Ein besonders prägnantes Beispiel findet sich gleich zu Beginn der Ausstellung: eine Flughafenlounge. Alles scheint vertraut, die austauschbaren Sitzmöbel, die Anzeigetafel, die als Passagiere inszenierten Puppen ebenso wie ihre die Notebooks und ihr Gepäck.
 
Von dort geht die Reise weiter in verschiedene Flughäfen. Grossformatige Fotografien zeigen internationale Flughafenarchitektur von Norman Foster, Renzo Piano, Helmut Jahn und Paul Andreu. Global sind hier die westliche Ingenieurskunst und die Dimensionen. Lokal sind die Details: die verspielte, islamisch inspirierte Kuppel im Flughafen von Abu Dhabi oder die an Bambusstäbe gemahnenden eleganten, vertikalen, roten Verstrebungen im Flughafen von Peking. Wie die Ausstellung zeigt, sind auch andere Architekturprojekte der Superlative global: In Hamburg wird mit der Hafencity ein komplett neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft. Tausende von Kilometern entfernt entsteht in Abu Dhabi mit dem Saadiyat Island eine ganze künstliche Insel. Gemein ist den beiden Gigaprojekten, dass sich Stararchitekten aus der ganzen Welt beteiligen. Während Herzog & de Meuron und Rem Koolhaas für die Hafencity bauen, verewigen sich auf dem Saadiyat Island Zaha Hadid; Jean Nouvel und Frank Gehry.
 
„Global Design“ zeigt aber auch, dass die Globalisierung selbst kleine bis winzige Räume erobert hat: die eigene Wohnung, den Arbeitsplatz, den Umgang mit neuen Technologien oder mit dem Geld, die Essgewohnheiten oder das Einkaufen im Supermarkt. Und die Ausstellung erklärt auch, woher die Sehnsucht nach Lokalem und Authentischem kommt. Doch diese ist letzten Endes auch global. So findet sich – Ikea sei Dank –schwedisches Design nämlich in fast jedem Zuhause. (mai)
 
Wo: Museum für Gestaltung, Ausstellungstrasse 60, 8005 Zürich
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr; Mittwoch, 10 bis 20 Uhr; Feiertage 10 bis 17 Uhr; Karfreitag geschlossen, Die Ausstellung dauert bis 30. Mai 2010.
Weitere Informationen: www.museum-gestaltung.ch
 

Das Buch zur Ausstellung

Viele Themen tippt die Ausstellung nur an. Dabei bleibt vieles an der Oberfläche. Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen will, findet im reich bebilderten Buch zur Ausstellung zusätzliche Informationen. Unter anderem erklärt Stilpapst Jeroen van Rooijen wie ein Trends entstehen. Des Weiteren gehen Fachleute und Journalisten den Fragen nach, was es mit dem Erfolg von Ikea auf sich hat, was „Globaler Regionalismus“ bedeutet oder was Transportcontainer mit der Globalisierung zu tun haben. – Weil der Band mehr als die Ausstellung bietet, ist er auch lesenswert, wenn man die Ausstellung verpasst hat. (mai)
 
Global Design- Internationale Perspektiven und individuelle Konzepte
Hg. Museum für Gestaltung Zürich
Lars Müller Publishers
Fr. 54.--