Constructive Alps 2015: Nachhaltiger Bauen in den Bergen

Constructive Alps 2015: Nachhaltiger Bauen in den Bergen

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Pfarrhaus Krumbach im Bregenzerwald. ARGE: Arbeitsgemeinschaft: Bernardo Bader Architekten, Bechter Zaffignani Architekten, Architekten Hermann Kaufmann. (Foto: Adolf Bereuter) 1/8

Aus 350 Eingaben wurden für den Architekturpreis «Constructive Alps 2015» eingereicht. Ausgezeichnet wurden Projekte aus dem Vorarlberg, aus Graubünden und dem Trentino.

Private Haushalte in den Alpen konsumieren ebenso viel Energie wie der gesamte Verkehrssektor. Die Energie wird grösstenteils für das Heizen und Kühlen von Gebäuden benötigt, wobei neben dem Klima auch viele alte, schlecht isolierte Gebäude am hohen Verbrauch Schuld sind. Die Schweiz und Liechtenstein haben deshalb den Architekturpreis «Constructive Alps» ins Leben gerufen, der heuer zum dritten Mal verliehen wurde.

Ausstellungstipp

Die ausgezeichneten Projekte und weitere zwanzig, die  für die zweite Runde des Preises «Constructive Alps»
nominiert wurden, sind noch bis zum 10. Januar im Alpinen  Museum der Schweiz in Bern in der gleichnamigen Ausstellung zu sehen.

Weitere Infos: www.alpinesmuseum.ch

Die Federführung hat dabei das Bundesamt für Raumentwicklung. Eine internationale Jury hat aus 350 Eingaben die Gewinner des mit 50 000 Euro dotierten Preises bekannt gegeben.Gesucht waren besonders nachhaltige Sanierungen und Neubauten, die zwischen 2010 und 2014 fertiggestellt wurden und innerhalb des Alpenbogens stehen. Zur Bewerbung eingeladen waren vor allem jene Architekten und Bauherren, die mit ihrem Objekt sowohl ökologische und ökonomische, als auch soziale und kulturelle Kriterien der nachhaltigen Entwicklung berücksichtigt haben.

Stars der Vorarlberger Architekturszene räumen ab

Der erste Preis und 25000 Euro wurde für das neue Pfarrhaus im Vorarlberger Dorf Krumbach verliehen. Das Haus ist das Werk einer illustren Arbeitsgemeinschaft: Mit den Büros Bernardo Bader Architekten, Bechter Zaffignani Architekten, und Architekten Hermann Kaufmann, Dornbirn, haben sich gleich mehrere Stars der lokalen Architekturszene zusammengetan. Ihr konsequent aus Holz oder vielmehr aus lokal gewachsener Weisstanne und Eiche bestehendes Pfarrhaus besticht durch seine präzise und reduzierte Architektur. Es bietet Wohnraum bei wenig Flächenverbrauch und belebt das Dorf als Kultur- und Gemeindezentrum. Zudem ist es energetisch nachhaltig: Das Haus ist am Nahwärmenetz ange-schlossen, dessen Energie aus Hackgut stammt. «Baukünstlerisch auf hohem Niveau, fügt es sich ausgezeichnet in den Kontext von Kirche und Dorfplatz ein», lobt die Jury den Holzbau. Sozial leiste es einen Beitrag für die Dorfgemeinschaft, die hier proben, singen und tagen könne.

Historisches Erbe in Graubünden und beinahe Unterirdisches im Trentino

Das Türalihus und das benachbarte Gasthaus am Brunnen, zwei historische Bauwerke im Zentrum von Valendas im Bündner Vorderrheintal, teilen sich den zweiten Preis. Die Jury merkt hierzu an, dass viele Bauten von Dorfkernen in den Alpen leer stünden und dem Verfall preis gegeben seien. Die beiden Projekte in Valendas dagegen, von den Capaul Blumenthal Architects beziehungsweise von Gion A. Caminada realisiert, zeigen, wie man wieder Leben in Dorfzentren bringt. «Sie stehen auch dafür, wie nachhaltiger Tourismus, gesellschaftliches Leben im Dorf und die Pflege des historischen Erbes zusammengehen und einander stärken können», so die Jury.  Die Umbauten der bestehenden Dorfhäuser gingen dabei behutsam mit dem Bestand um und würden diesen mit dem Neuen zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügen, das die Geschichte wahrt.

Die Casa Riga in Comano Terme, einem Dorf im Trentino (I), erhielt den dritten Preis. Der Bau der Saracino Architects, in der Landschaft fast nur als schmale Linie sichtbar und teilweise im Erdboden eingegraben, bietet Feriengästen des Agrobetriebs viel Aussicht auf die Umgebung. Die Bauweise erlaubt es zudem, den ökologischen Fussabdruck klein zu halten. Die Holzkonstruktion sorgt für ein gutes Raumklima. (bk)