CO2-Gesetz wird Investitionen auslösen

CO2-Gesetz wird Investitionen auslösen

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Teaserbild-Quelle: Thomas Kümin
Bundespräsidentin Doris Leuthard hat die Swissbau mit dem Appell an die Baubranche eröffnet, sich für das neu CO2-Gesetz zu engagieren, um neue Bauinvestitionen auszulösen. Gleichzeitig forderte die Volkswirtschaftsministerin die privaten Investoren und Immobilienbesitzer auf, mehr in die Energieeffizienz ihrer Gebäude zu investieren.
 
Thomas Kümin
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Thomas Kümin
Doris Leuthard und Bernhard Alpstaeg, Leiter der Firmengruppe Swisspor an der Eröffnung der Swissbau.
 
Doris Leuthard durchschnitt das Eröffnungsband der Swissbau 2010 an einem symbolträchtigen Ort: In der Sonderschau «Global Building», wo das heutige Wissen über das nachhaltige Bauen anschaulich gemacht wird. Sekundiert wurde die Bundespräsidentin und Volkswirtschaftsministerin von Messeleiter Rudolf Pfander.
 
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz werden denn in den kommenden Jahren nicht mehr zu umgehende Themen für die Baubranche sein. Der Eröffnungsanlass von «bauenschweiz» machte dies heute Vormittag deutlich. Robert Keller, Präsident von «bauenschweiz», machte sich stark für eine massive Verminderung des Energieverbrauchs von Gebäuden. Mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung und die damit verbundene «Neuverteilung des Energiekuchens», werde es unvermeidlich, den Energieverbrauch zu drosseln, gab Keller zu bedenken. Die Baubranche könne wirksame Massnahmen aufzeigen. Der Präsident von «bauenschweiz» verwies auf das Beispiel des Eawag-Gebäudes in Dübendorf ZH, das sogar mehr Energie abgibt, als es zum eigenen Betrieb benötigt.
 
Gleichzeitig forderte der Präsident von «bauenschweiz» kontinuierliche Investitionen der öffentlichen Hand anstelle von unwirksamen Konjunkturprogrammen: Den Konsum reduzieren, die Investitionen fördern, dies wünschte sich Keller von der Bundespolitik anstelle so genannter Konsolidierungsprogramme auf Kosten der Infrastruktur.
 
Die Volkswirtschaftsministerin spielte in ihrer Ansprache den Ball an die Baubranche zurück und gab zu bedenken, dass der Bund ohne CO2-Gesetz, das von «bauenschweiz» bekämpft wird, kaum nachhaltiges und energieeffizientes Bauen fördern könne. Leuthard appellierte deshalb an die anwesenden Nationalratsmitglieder, das CO2-Gesetz im Parlament zu unterstützen. Was die Bauinvestitionen angeht, warnte Leuthard davor, die Bauwirtschaft jetzt mit unzähligen Infrastrukturvorhaben zu überhitzen. Werde die Branche mit Aufträgen überhäuft, werde der zusätzliche Personalbedarf im Ausland rekrutiert, was langfristig gesehen nicht erwünscht sei. Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden, sei es durch die öffentliche Hand, sei es durch Private, verschafften jedenfalls der Schweiz Vorteile im internationalen Wirtschaftswettbewerb. Deshalb haben, so Leuthard, Bund und Kantone ein neues Gebäudeprogramm lanciert, das den Klimarappen ablöst. Mit diesem Programm sollen über steuerliche und finanzielle Anreize die energietechnische Sanierung von älteren Gebäuden gefördert werden.

Politik, KMU und Banken

Ein von TV-Moderator Kurt Aeschbacher geleitetes Podium führte Politik, KMU und Banken zusammen. Der Aargauer Bau- und Energiedirektor Peter Beyeler (FDP) betonte, es lohne sich für die Schweiz, eine nachhaltige Energiepolitik zu betreiben, denn dies mache unser Land weniger abhängig von endlichen, fossilen Energiequellen. Er sprach sich für eine Regulierung von Energiefragen durch den Staat aus, denn Energiefragen seien Fragen der Öffentlichkeit. Dass nicht häufiger energieeffizient gebaut werde, führt der Winterthurer Gebäudetechnikunternehmer Christian Hunziker nicht auf fehlende Information zurück. Sowohl Investoren und Immobilienbesitzer, als auch Haustechniker wollen oft energieeffiziente Techniken nicht zur Kenntnis nehmen, weil die Kurzfristigkeit der Finanzierung über die langfristige Einsparung gestellt werde. René Beeler, Leiter Immobilien der Zürcher Kantonalbank (ZKB), sprach von einem Dilemma für die Banken: Bauen diese selber, sei es einfacher, energieeffiziente Bauweise und Installationen vorzusehen. Wenn es hingegen um Bauprojekte von Privaten gehe, habe eine Bank geringeren Einfluss, obwohl bekannt ist, dass Minergiegebäude auf dem Markt höhere Preise erzielen könnten. Hier könne die ZKB nur mit Anreizen ihre Kunden für eine energieeffiziente Bauweise sensibilisieren. Beyeler monierte zum Abschluss des Podiums, dass Innovationen in der Schweiz lange brauchen, um sich durchzusetzen: Der Minergiestandard habe dazu beispielsweise zehn Jahre gebraucht. (md)