Chur Wests geplantes Lifting sorgt für Diskussionen

Chur Wests geplantes Lifting sorgt für Diskussionen

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Chur West soll zum fussgängerfreundlichen und wohnlichen Quartier werden. Wie dieses Projekt in Angriff genommen wird, passt nicht allen. Die Stadt muss von manchen Fachleuten heftige Kritik einstecken, weil sie keinen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben hat.

Die Wahrzeichen von Chur West sind schon von Weitem zu sehen: Die beiden Türme aus der Feder von Thomas Domenig, dem Architekten, der wohl wie nur wenige das Aussehen der Bündner Kantonshauptstadt geprägt hat. Derweil wirkt das Gewerbe- und Industriegebiet um die Hochhäuser eher zufällig und wenig einladend. Hier wurde in den vergangenen Jahrzehnten zwar fleissig gebaut, von einer Stadtplanung spürt man hier nahe der Autobahn aber wenig. Das soll sich ändern. Die Stadt will Chur West zu einem fussgängerfreundlichen, lebendigen Stadtteil umbauen. Bereits nach den Sommerferien soll ein Arealplan für Chur West vorliegen, er wird unter Federführung von Stadtentwickler Andreas Pöhl erstellt. Vorgesehen ist, das Quartier in acht Gebiete zu unterteilen, die allesamt am gleichen langen autofreien Boulevard liegen und jeweils als Einheit entwickelt werden. Grundbesitzer können nur bauen, wenn sie zuvor mit ihren Nachbarn einen gemeinsamen Nenner gefunden haben. „Wir wollen einen Stadtteil für alle schaffen, Einzelinteressen müssen zurück gestellt werden“, erklärte Pöhl dazu vor kurzem gegenüber der Zeitung „Die Südostschweiz“.

Obwohl die ersten Rückmeldungen von Investoren und Immobilieneigentümern offenbar positiv ausfielen, finden die Art und Weise, wie die Stadt ihr ambitioniertes Projekt angeht, nicht nur Zustimmung. Dies vor allem, weil kein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. „Es reicht nicht, wenn man alle, die interessiert sind, an einen Tisch holt, fragt was sie möchten, und dann den Kuchen aufteilt“, monierte Hochparterre-Chefredaktor Köbi Gantenbein in der „Schweiz am Sonntag“ im Dezember.  Als bedenklich erachtet auch Stefan Kurath, Architekt und Leiter des Instituts Urban Landscape an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, das Vorgehen der Behörden. Er kritisiert, dass die Stadt keine verschiedenen städtebaulichen Konzepte ausarbeiten liess. „So kann keine Diskussion um die beste Lösung für Chur West entstehen“, sagte er dieser Tage in einem Interview mit „Der Südostschweiz“.  Er ist der Meinung, dass ein städtebaulicher Wettbewerb in diesem Zusammenhang das Beste gewesen wäre.

Der Kritik kann Stadtrat Tom Leibundgut nicht viel abgewinnen. „Wir haben einfach ein anderes Verfahren gewählt, jenes des Mitwirkungsprozesses“, erklärte er heute im Interview mit der „Südostschweiz“.  Er sehe dies auch als Wettbewerb, aber mit mehr Interessenten. Aktuell stehe man Anfang eines Arealplanverfahrens. „Von verschiedener Seite heisst es jetzt, nun müssten Fachleute involviert werden. Diese Kritik nehmen wir gerne an. Zuerst integrieren wir aber unsere Fachleute im Haus.“ 

Ein Wettbewerb, wie ihn Kurath vorschlägt,  kostete rund eine halbe Million Franken. Auf die Frage ob ein solcher dennoch geplant ist, verweist Leibundgut darauf, dass sich das Jahresbudget der Stadt für die Honorare externer Ingenieure und Architekten auf 150‘000 Franken beläuft. Darum ist ein Wettbewerb in dieser Art laut Kurath nicht vorgesehen. Er betont aber, dass es der Stadt nicht um ein möglichst günstiges Verfahren gegangen sei. – Wie sich Chur West dereinst wandeln wird, dürfte somit spannend bleiben. (mai)