Chur West: Es bleibt noch Jahre, wie es ist

Chur West: Es bleibt noch Jahre, wie es ist

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Teaserbild-Quelle: Bild: Archiv Baublatt

Das ehemalige Industriequartier Chur West soll zum städtischen Zentrum für 6000 Menschen mutieren. Bei der öffentlichen Auflage des Arealplans der Stadt ist Halbzeit. Bis die Bagger auffahren, wird aber noch viel Wasser den Rhein hinabfliessen.

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Bild: Archiv Baublatt
Entwicklungspotenzial: Im ehemaligen Churer Industriequartier gibt es 2011 noch viel Platz rund um das neu erstellte Zentrum City West mit seinen 70 Meter hohen «Twin Towers».

Heute prägen Garagenbetriebe, Baumärkte und Dienstleistungsunternehmen das Gesicht von Chur West. Und natürlich die «Twin Towers» des Ende 2011 eingeweihten Einkaufszentrums «City West». Kaum etwas symbolisiert den Wandel in Churs Westen besser, als die beiden Hochhäuser, die unter Federführung des einheimischen Architekten Thomas Domenig entstanden.

Anfang 2015 stellten Fachleute der Stadt ihre Vision für Chur West vor, die sie gemeinsam mit Anwohnern, Grundeigentümern und potenziellen Investoren entwickelt hatten. Eine Hochhauszone, eine breite zentrale Strasse mit Läden und ein Mix aus Gewerbeflächen, Wohnungen und öffentlichen Räumen sollen über einen Zeithorizont von zehn Jahren entstehen. Von einem Bauvolumen von bis zu 1 Milliarde Franken war die Rede.

Viel Lob für den Arealplan

Der Arealplan für das Gebiet Chur West, der derzeit öffentlich aufliegt, präzisiert nun die städtische Entwicklungsvision. Bisher sind noch keine Rückmeldungen zum Planungswerk eingegangen, bestätigt Stadtrat und Baudirektor Tom Leibundgut der Zeitung «Südostschweiz».

Positiv fallen die Reaktionen jener Architekten und Unternehmer aus, die in der Vergangenheit mögliche Projekte für den neuen Stadtteil präsentiert haben. «Der Arealplan lässt immer noch viel zu», sagt etwa Jon Domenig, Mitinhaber von Domenig Architekten, gegenüber der Tageszeitung. «Und das ist gut so.» Diese Stellungnahme überrascht nicht, schliesslich plant sein Büro ein weiteres Hochhaus im Quartier.

Michael Schumacher will in Churs Westen mit einem Neubau ebenfalls hoch hinaus. Der Architekt vom Büro Ritter Schumacher pflichtet seinem Kollegen Domenig auf Anfrage der «Südostschweiz» bei: «Der Arealplan lässt auch für die Zukunft viele Möglichkeiten offen.» Das sei nicht selbstverständlich: Oft seien Arealpläne bereits nach wenigen Jahren überholt. Nicht so, jener für Chur West. Dieser lasse auch für die Planung Zeit.

Wann erfolgt der Baustart?

Bis die Bagger in Chur West im grossen Stil auffahren, dürfte es noch Jahre dauern. Zuerst müssen die Quartierpläne für die einzelnen Gevierte vorliegen. «Wenn alles gut geht, können wir im Jahr 2020 mit dem Bau beginnen», sagt Architekt Peter Suter, der in einem Planungsteam derzeit ebenfalls ein grösseres Projekt vor Ort erarbeitet, der «Südostschweiz».

Die grössten Hürden auf dem Weg zur Realisierung der Projekte sind mögliche Einsprachen gegen die jeweiligen Quartierpläne sowie die komplexen, zersplitterten Eigentumsverhältnisse in Chur West. Ob der Druck auf einen baldigen Baustart besonders gross sein wird, ist zudem gemäss Schumacher auch aus einem anderen Grund fraglich: «Allein in den kommenden vier bis fünf Jahren kommen in Chur rund 1000 neue Wohnungen auf den Markt.» (gd)