Cemsuisse besorgt über zunehmenden Import von Zement

Cemsuisse besorgt über zunehmenden Import von Zement

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Obwohl die Schweiz über genügend Zement verfügt, um die gesamte Inlandnachfrage abzudecken, haben die Importe letztes Jahr markant zugenommen. Gleichzeitig wird der Abbau in der Schweiz schwieriger, weil viele Steinbrüche in geschützten Gebieten liegen.

Der Verband Cemsuisse thematisierte an seiner kürzlich abgehaltenen Generalversammlung die markant gestiegenen Importe von Zement. Letztes Jahr waren es rund 680‘000 Tonnen, was einer Zunahme von rund einem Viertel entspricht. Präsident Urs Schwaller zeigte sich ob dieser Tatsache sehr besorgt. „Denn mit unseren schweizerischen Unternehmen verfügen wir über eine ausreichende Kapazität, um die gesamte Inlandnachfrage nach Zement – letztes Jahr wurden rund 4,2 Millionen Tonnen geliefert – mit einer ökologisch hochstehenden Produktion abzudecken.“ Während hierzulande mehr als 50 Prozent der Zementlieferungen per Bahn erfolge, würden die Importe ausschliesslich per Lastwagen in die Schweiz kommen. „Die Umweltauswirkungen bei der Zementherstellung sind das eine, die beim Strassentransport über hunderte von Kilometern anfallenden Emissionen das andere ins Gewicht fallende Element“, sagte er. Ausserdem unterlägen die Fahrer der Lastwagen nicht der in der Schweiz geltenden Vorschriften bezüglich Lohn und Sozialabgaben. Das heisst, die Importe werden mit Billigsttransporten abgewickelt. „Ich bin sehr besorgt über diese Situation, sehe ich doch die reelle Gefahr, dass die Industrieproduktion und damit gerade auch die Zementproduktion in der Schweiz mittel- und langfristig gefährdet ist.“

Das Problem der geschützten Steinbrüche

Das ist sie aber laut Schwaller auch noch aus einem anderen Grund. Die Rohmaterialversorgung mit Kalkstein und Mergel wird nämlich immer schwieriger. Denn die Gebiete um die bestehenden Steinbrüche herum befinden sich seit 20 Jahren im Inventar der schützenswerten Landschaften und Naturdenkmäler (BLN-Inventar). „Heute sind wir nun in der Situation, dass die Steinbrüche von vier Zementwerken aufgrund des in den letzten Jahren erfolgten Abbaus unmittelbar an diese BLN-Gebiete angrenzen oder sogar vollständig darin gelegen sind.“ Ein weiterer Abbau sei damit kaum mehr möglich.

In einer Resolution zuhanden des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) haben die Kantonsregierungen der Standortkantone – Aargau, Bern, Graubünden, Neuenburg und Waadt – ihre Besorgnis in Bezug auf die langfristige Versorgung mit Kalkstein und Mergel ausgedrückt. Departementsvorsteherin Doris Leuthard hat daraufhin die Mitwirkung der Bundesämter für Umwelt (Bafu) und Raumentwicklung (Are) bei der Erarbeitung einer Planungshilfe für den Abbau in BLN-Gebieten zugesichert. Laut Präsident Schwaller sind die Arbeiten auf gutem Weg.

Wechsel im Präsidium

Nach neunjähriger Tätigkeit tritt Urs Schwaller von seinem Amt zurück. Seine neue Aufgabe als Präsident der Schweizerischen Post bringe es mit sich, dass er aus zeitlichen Gründen und zur Vermeidung jeglicher Interessenskonflikte Mandate wie jenes der Cemsuisse früher als geplant abgebe, sagte er an der GV. Der Vorstand hat beschlossen, Ständerat Beat Vonlanthen als neuen Präsidenten vorzuschlagen. Weil der Politiker aber nach wie vor Mitglied der Freiburger Regierung ist und dies noch bis Ende 2016 bleiben wird, nimmt er bis dahin keine neuen Mandate an. Deshalb findet seine Wahl im Rahmen einer ausserordentlichen GV erst gegen Ende des Jahres statt. (mt/pd)