Bund hat kein Gehör für Tessiner Anliegen

Bund hat kein Gehör für Tessiner Anliegen

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Ärger im Tessin: Das Projekt „Bahn 2030“ hat die beiden Hauptanliegen der Tessiner nicht als Priorität eingestuft, die neue Alpentransversale soll dort vorläufig nicht vollendet werden.
 
Als „eiskalte Dusche“ bezeichnete der „Corriere dell’ Ticino“ das von Bund und Kantonen ausgearbeitete Projekt „Bahn 2030“. Der Grund: Die Umfahrung von Bellinzona und die Fortsetzung der Neat südlich von Lugano werden nicht als vorrangig eingestuft. Sie seien auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben worden, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ dazu in ihrer aktuellen Ausgabe. Auf der Alpensüdseite erachte man diese Projekte als dringlich, heisst es weiter. Verzichte man auf einen Tunnel zwischen Gnosca und Sementina westlich von Bellinzona, dann würden nach der Inbetriebnahme des Gotthard- und des Ceneri-Basistunnels in knapp einem Jahrzehnt täglich 500 Züge durch den Tessiner Hauptort fahren. Die Linie stammt aus dem 19. Jahrhundert.
 
Zwischen dem Südportal des Ceneri-Basis-Tunnels beim Luganeser Vorort Vezia und Chiasso verkehren die Züge auf einem Trassee, das mitten durch Lugano und das stark besiedelte Mendrisiotto führt. Ingenieur Gino Boffa vertrete die Ansicht, dass unebdingt drastische Massnahmen ergriffen werden müssten, damit die Linie der prognostizierten Verdoppelung des Verkehrsaufkommens standhalten könne, heisst es im Artikel weiter.

Tunnel unter dem Monte Generoso oder dem Monte San Giorgio

Zur Lösung dieses Problems sind zwei Varianten angedacht worden: Ein Tunnel der unter dem Monte Generoso durchführt oder einer der den Monte San Giorgio durchquert. Die Kosten werden auf bis zu 5,2 Milliarden geschätzt. Von solchen Ausgaben will man beim Bund nichts wissen. Der Neat-Südanschluss sei momentan nicht proritär, sagte Florence Pictet vom Bundesamt für Verkehr auf Anfrage der NZZ.
 
Für Marco Borradori, den Tessiner Baudirektor, ist die Angelegenheit damit längst nicht aus der Welt geschafft. Das Konzept sehe eine Flachbahn durch die Alpen von einer Landesgrenze zur anderen vor. Deshalb ergebe es keinen Sinn, wenn die Alpentransversale in Lugano ende, wird er in der NZZ zitiert. Nun hofft er auf die 13 Kantone, die sich im Gotthard-Komitee zusammengeschlossen haben. Denn auf dem Spiel steht viel. „Wenn die Engpässe nicht beseitigt werden, dann wird die ganze Neat in Frage gestellt. Die Verlagerungspolitik wäre in diesem Fall gefährdet“, so Borradori weiter.
 
Der Tessiner FDP-Nationalrat und Präsident der Vereinigung „Hochgeschwindigkeit Lugano-Mailand“ Adriano Cavaldini schlägt deshalb vor, die Planung der Strecke Lugano-Chiasso voranzutreiben. Und dies notfalls auf eigene Faust, wie in der NZZ zu lesen ist. Für Cavaldini ist es denkbar, dass der Kanton drei Milliarden Franken vorfinanziert. So sei gewährleistet, dass die Neat im Süden bis 2030/35 ganz fertig gestellt sei. (mai)