Bürgerliche fordern zweiten Strassentunnel

Bürgerliche fordern zweiten Strassentunnel

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Am Gotthard braucht es einen zweiten Strassentunnel. So sehen es zumindest die CVP, FDP, BDP und die SVP, die vom Bundesrat einen solchen Tunnel fordern. Wie der „Tages-Anzeiger“ berichtet, haben rund hundert National- und 28 Ständeräte fast identische Vorstösse unterschrieben.
 
Verlangt wird laut der Zeitung in allen, dass der Bundesrat sofort den Bau eines zweiten Strassentunnels am Gotthard an die Hand nimmt. Der neue Durchstich solle fertig sein, wenn die Sanierung der 1980 eröffneten Röhre beginne, also in etwa zehn Jahren. Eingereicht hätten die vier bürgerlichen Parteien ihre Vorstösse zu diesem Zeitpunkt, weil der Bundesrat demnächst einen Bericht zur Sanierung des Strassentunnels und einer zweiten Röhre präsentiere. „Wir wollen, dass der Bundesrat es nicht bei dem Bericht belässt, sondern dass er handelt“, wird Tessiner CVP-Ständrat Filippo Lombardi zitiert.
 
Dass der Alpenschutzartikel beachtet werden muss, laut dem die Strassenkapazität am Gotthard nicht erhöht werden darf, darin sind sich alle Vorstösse einig. Eine zweite Röhre dient der Sicherheit und mindert das Verkehrschaos während der Tunnelsanierung – darauf weisen die Initianten hin. Das heisst: Die zweite Röhre würde während der Sanierung im Gegenverkehr betrieben. Ist die Sanierung abgeschlossen, werden die Röhren nur noch einspurig befahren. Die Gegenspur soll dann als Pannenstreifen und Rettungsspur benutzt werden.
 
Dies glaubten die Initianten des Alpenschutzartikels nicht, schreibt der „Tages-Anzeiger“. Zudem sind sie der Ansicht, dass ein zweiter Strassentunnel der Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene zuwiderläuft. Sie befürchten einen steigenden Druck, die Röhren doppelspurig zu benutzen, vor allem wenn es Staus gibt. Lombardi sieht keinen Anlass zur Besorgnis. Volk und Stände müssten zuerst einer Kapazitätserweiterung durch die Alpen zustimmen, wird er im Artikel zitiert. Die Frage eines doppelspurigen Betriebs stelle sich zudem erste 2025, wenn der alte Tunnel saniert und die Neat sieben Jahre in Betrieb sei. Auch die Kosten eines solchen Bauwerks anbelangt sind sich Gegner und Befürworter uneins. Lombardi geht von 900 Millionen Franken aus, die Alpeninitiative schätzt den Aufwand auf 1,3 Milliarden Franken.
 
Bundesrat Moritz Leuenberger hält zwei einspurige Röhren für denkbar und sicherer. Dies erklärte er in einem Interview gegenüber dem „Tages-Anzeiger“. Aber man müsse die Garantie haben, dass dabei die Transitkapazität nicht erhöht werde. Wahrscheinlich würden die Studien aber bald zeigen, dass diee Lösung für die Sanierung des heutigen Tunnels viel zu teuer käme. Für eine Strassenröhre bräuchte es eine Verfassungsänderung, so der Leuenberger. Und die habe ohnehin keine Chance. (mai)