Bülach: Entwicklung des Areals Vetropack nimmt Form an

Bülach: Entwicklung des Areals Vetropack nimmt Form an

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Auf dem ehemaligen Vetropack-Areal in Bülach Nord entwickelt Totalunternehmerin Steiner AG ein neues Stadtquartier. Entworfen wurde das Projekt von Duplex Architekten. Gestern wurden alle Beiträge aus dem international durchgeführten Studienauftrag präsentiert.

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Das neue Stadtquartier von Bülach

Bülach ist mit seinen gut 17‘000 Einwohnern die grösste Stadt im Zürcher Unterland. Bald könnte sie einen weiteren Wachstumsschub erleben. Denn auf dem rund 42‘000 Quadratmeter grossen Gelände nördlich des Bahnhofs plant die Total- und Generalunternehmerin Steiner AG zusammen mit den Entwicklungspartnern Logis Suisse und Baugenossenschaft Glattal Zürich (BGZ) ein neues Stadtquartier. Vorgesehen ist Platz zum Wohnen und Arbeiten – bei einer Ausnützung von 230 Prozent. Die rund 600 Wohnungen sollen Personen aus unterschiedlichen Einkommensklassen ansprechen und zusammen mit den mehr als 20‘000 Quadratmeter Gewerbe- und Dienstleistungsflächen ein gut durchmischtes Quartier ermöglichen.

Gestern stellte Jurypräsident Stefan Cadosch, Architekt und Präsident des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA), die Beiträge aus einem international durchgeführten Studienauftrag für die Entwicklung des Areals vor. Entschieden wurde der Wettbewerb bereits 2013. Die Entscheidungsträger wollten mit der Präsentierung der elf Projekte aber zuwarten, bis der auf diesem Verfahren basierende Gestaltungsplan Rechtskraft erlangt. Dies ist im Dezember 2015 geschehen. Für Cadosch ist das Entwicklungsverfahren vorbildlich. Er hofft auf ein Leuchtturmprojekt, welches die Verdichtung im Sinne des SIA architektonisch ansprechend umsetzt.

Die Teams, die zum städtebaulichen Studienauftrag eingeladen wurden, legten ganz unterschiedliche Konzepte vor, die aber allesamt qualitativ hochstehende, gut ausgearbeitete Vorschläge machten. Sie reichten von Hochhaus-Clustern mit weitläufigen Parkflächen bis zum regelmässigen Raster aus kompakten Punkthäusern mit bis zu sieben Wohnungen pro Etage. Der Beizug der internationalen Büros MVRDV (aus den Niederlanden), Dominique Perrault (Frankreich), BIG (Dänemark) und KSP (Deutschland) erwies sich als bereichernd. Gerade sie zeigten das Potenzial des Geländes deutlich auf. Mit den HHF Architekten aus Basel war auch ein Nachwuchsteam zugelassen. Ihr radikales Projekt, das maximierte Dichte einem parkartigen Freiraum gegenüberstellt, leistete ebenfalls einen wertvollen Beitrag an die Erkenntnis, dass diese urbane Verdichtung etwas abseits der grossen Zentren einen neuen Quartiertyp hervorbringen wird.

Siegreich aus dem Verfahren hervorgegangen ist der Vorschlag der Duplex Architekten aus Zürich. Dieses Büro war schon am städtebaulichen Konzept für das Hunziker-Areal in Zürich-Nord beteiligt, und dem Betrachter sticht eine gewisse Ähnlichkeit zur dortigen Überbauungsordnung ins Auge. So wird auch für Bülach eine „Körnigkeit“ gewählt, welche sich aus kompakten, meist viereckigen Volumen zusammensetzt. Diese werden vom öffentlichen Raum umflossen. So hat man bei diesem Projekt Zwischenräume entworfen, die sich als „Stadträume“ – Gassen, Strassen und Plätze – interpretieren lassen und eine enge Verzahnung mit dem Umfeld ermöglichen. Die einzelnen Volumen sind im Grundriss schiefwinklig. Architekt Dan Schürch von Duplex sprach bei der Präsentation denn auch von „20 schrägen Typen“, die Bülach Nord bereichern sollen. Im Gegensatz zum Hunziker Areal sind die Zwischenräume verwinkelter, das Gelände steigt nach Norden sanft an. Und die Dichte ist beträchtlich höher. Dennoch wirkt der Ansatz auch in diesem Kontext anregend und lässt auf einen interessanten, beispielhaften Beitrag zum Thema Verdichtung ausserhalb der grossen Zentren hoffen.

Die Verantwortlichen rechnen mit der Baueingabe des Gesamtprojekts per Ende 2016. Den Baustart erwarten sie frühestens ab Frühjahr 2018. (mp/pd)