Buchtipp: Kuppeln in der zweiten Dimension

Buchtipp: Kuppeln in der zweiten Dimension

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Teaserbild-Quelle: Jakob Straub / Hatje Cantz-Verlag, PD

Rom hat viele interessante Kuppelbauten vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende. Der Fotograf Jakob Straub hat einige von ihnen mit einer eigens dafür entwickelten Technik aufgenommen und auf ihre gestalterische Grundform reduziert. In seinem Fotoband „Roma Rotunda“ präsentiert er verblüffende Ansichten von der Schnittstelle zwischen Kunst und Design.  

Quelle: 
Jakob Straub / Hatje Cantz-Verlag, PD
Die Kuppel des Pantheons wirkt von Jakob Straub fotografiert zweidimensional.

Die Mutter aller Kuppelbauten ist das bald 2000 Jahre alte Pantheon. Auch noch heute stellt es eine gewaltige Bauleistung dar. Denn mit ihren 43 Metern Durchmesser setzte die Kuppel Massstäbe, die auch von späteren Kuppelbauten wie zum Beispiel vom römischen Petersdom oder San Lorenzo in Florenz nicht übertroffen werden konnten. Möglich war der Bau einer solch gewaltigen Kuppel nur mit Hilfe von „Opus caementitium“. Dank dem römischen Beton konnte das Pantheon die letzten fast 2000 Jahre unbeschadet überstehen -  trotz Erdbeben, Bodensenkungen und Immissionen. 

Die Raumwirkung des Pantheons beruht nicht zuletzt darauf, dass die Entfernung vom Fussboden zum Kuppeldach genau gleich gross ist wie der Durchmesser des Innenraumes. Der römische Beton, aus welchem die Kuppel besteht, wurde mit leichtem, vulkanischem Tuff- und Bimsstein vermischt. Im Sinne einer Gewichtsersparnis wurde die Kuppel in fünf konzentrische Ringe, bestehend aus je 28 Kassetten gegliedert, wobei die Kassetten der einzelnen Ringe nach oben jeweils schmaler werden. Damit wirkt die Lichtöffnung an der Decke, die immerhin noch einen Durchmesser von neun Metern aufweist, verhältnismässig klein. 

Die Kuppel, ein Mandala?

Das Pantheon nimmt einen gewichtigen Raum in Jakob Straubs Band „Roma Rotunda“ ein. Mit seiner flächigen Aufnahmetechnik verwandeln sich die insgesamt 36 abgebildeten Rundbauten und Kuppeln in  zweidimensionale oft wie Mandalas wirkende Bilder. 

Straub fotografiert seit Jahren mit einer analogen Mittelformatkamera das Innere von Kuppeln in Kirchen und Profanbauten in Rom. Dabei geht es dem Grafikdesigner und Fotografen nicht um eine erschöpfende Dokumentation der zahllosen Kuppelkirchen der Stadt. Ihn interessierte bei seiner Arbeit die grafische Ausgangsidee der Entwürfe oder vielmehr die Reduktion der  Architektur auf ihre gestalterische Grundform. Mit seinen Bildern bringt sie Straub gewissermassen zurück aufs Reissbrett. Auch die kunsthistorische Bedeutung oder die  Reihenfolge stand beim Entscheid für ein Motiv nicht im Vordergrund. Das macht die Auswahl der porträtierten Kuppeln umso  interessanter. Der Fotograf ermöglicht dem Betrachter so reizvolle Entdeckungen abseits touristischer Trampelpfade. (mai)

„Roma Rotunda“, Jakob Straub
Hatje Cantz Verlag, 96 Seiten, ISBN 978-3775739757, 59 Franken 90