Buchtipp: Im Banne der Südsee

Buchtipp: Im Banne der Südsee

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle:
Buchcover. 8PD)

Eine Welle der Südseebegeisterung brandete in den 50er-Jahren über die USA. Der Tiki-Kult erfasste Architektur, Mode, Ess- und Trinkgewohnheiten und Wohnkultur. Sven Kirsten ist dem kitschig-bunten Trend von einst im Band „Tiki Pop“ auf den Grund gegangen.

Zu hawaiianischen Klängen und dem Plätschern eines künstlichen Wasserfalls in einem Tiki-Restaurant exotische Cocktails zu schlürfen galt als Inbegriff des guten Lebens. Gleichzeitig war es Mitte des letzten Jahrhunderts eine sozialverträgliche kleine Flucht vor dem Konformitätsdruck der Vororte mit ihren Häuschen und Vorgärten und vor der biederen Leistungsgesellschaft mit Krawattenzwang. Allerdings währte das Glück unter den Kunststoffpalmen nicht sehr lange. Als die Hippies und mit ihnen die Flowerpower-Bewegung aufkam, galt diese Art des Eskapismus als anrüchig und wurde zum Inbegriff von Spiessigkeit. Und schliesslich waren fast alle Spuren der einst blühenden Kitschkultur getilgt. Sie dämmerte fortan in Trödelläden, Garagen, auf Estrichen und in verriegelten alten Tiki-Restaurants ihrem endgültigen Vergessen entgegen.

Stadtarchäologen wie Sven Kirsten ist es zu verdanken, dass sie wiederentdeckt und über ein Tiki-Revival einem breiteren Publikum bekannt wurden. Seinen Band „Tiki Pop“ widmet er sich dem kulturgeschichtlichen Hintergrund dieser speziellen Form der Südseebegeisterung. Und zwar von  den frühesten Anfängen mit der „Entdeckung“ der Südseeinseln durch James Cook in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts über Herman Melvilles Moby Dick und Gauguins überbordende Exotikgemälde bis hin zu den Dschungelfantasien aus der Traumfabrik Hollywood. „Tiki Pop“ steht übrigens in Zusammenhang mit einer Ausstellung im Pariser Musée du quai Branly (bis 28. September 2014). (mai/mgt)

Tiki Pop, Taschen Verlag, Deutsch, 2014, 400 Seiten, ISBN 978-3-8365-4851-9, 59 Franken