Brutalistischem Architekturjuwel droht das Aus

Brutalistischem Architekturjuwel droht das Aus

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Teaserbild-Quelle: Dr Greg / wikimedia.org
In der nordenglischen Stadt Preston sorgt die Bus-Station für Streit. Sie soll abgerissen werden. Während der brutalistische Bau manchen Stadtregierungsmitgliedern „Augenschmerzen“ bereitet, sind Architekturbegeisterte der Ansicht, dass man ihn unter Denkmalschutz stellen sollte.
 
 
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Architekturikone oder Schandfleck? An der Bus-Station in Preston scheiden sich die Geister.
 
Sie polarisiert. Die einen finden sie hässlich und die anderen schwärmen von ihrer eleganten Architektur. Egal ob die Bus-Station und das dazugehörige, mehrstöckige Parkhaus Prestons gefallen oder nicht, sie sind auf jeden Fall ein prägnantes Beispiel für den Brutalismus. Doch die Ende der 60er-Jahre erbaute regionale Architekturikone aus der Feder des britischen Büros BDP ist dem Untergang geweiht und soll mit einem Neubau ersetzt werden. Dies hatte die Stadtregierung vergangenen Dezember beschlossen. Und zwar trotz der eher hohen Kosten, die ein Abriss und Neubau verursacht, und obwohl man im 2011 diverse Erneuerungsprojekte sowie ein grosses Open-Air-Einkaufszentrum noch in der Planungsphase bachab geschickt hatte um Ausgaben einzusparen. Ausserdem hiess es seitens der Regierung der Bau sei „kompromisslos monströs“ und verursache „Augenschmerzen“.
 
Dem geplanten Abriss bläst ein eisiger Wind entgegen: Neben Bewohnern Prestons wehren sich mittlerweile landesweit Architekturinteressierte und Fachleute. Sie haben sich unter anderem auf der Facebookseite "Save the Preston Bus Station" zusammengeschlossen. Das Royal Institute of British Architects verkauft derzeit gar ein T-Shirt mit einem Bild des Bauwerks. Die BBC berichtete schon mehrmals über das bedrohte 60er-Jahre-Juwel, ebenso Zeitungen und Blogs. Derweil macht Bürgermeister Peter Rankin seinem Ärger per Twitter über den Widerstand gegen den Abriss Luft und betitelt den Widerstand als „Exzentrizitäten einer kulturellen Elite“. Gut möglich, dass sein Ärger durch die Wahlen am 2. Mai befeuert wird, dann entscheidet sich nämlich, ob er sein Amt behält.
 
Wie es mit dem Gebäude weitergeht wird sich zeigen. „Wahrscheinlich wird man ein voll funktionstüchtiges, beispielhaftes, öffentliches 60er-Jahre-Gebäude verlieren, weil es denjenigen, die sich darum kümmern sollten, am nötigen Respekt mangelt“, klagt das Architektur-Newsportal worldarchitecturenews.com. Möglicherweise beginne sich aber die Öffentlichkeit für die Architektur des Brutalismus zu interessieren, genauso wie man sich angefangen habe für die Stile der 30er-Jahre zu erwärmen. – Somit gibt es vielleicht noch Hoffnung für die Preston Bus Station. (mai)