Bremste Veloverkehr den Stadtzürcher Richtplan?

Bremste Veloverkehr den Stadtzürcher Richtplan?

Gefäss: 

So soll sich die Stadt Zürich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln: mehr sozialer Wohnungsbau, mehr Veloverkehr, mehr Grünraum, aber möglichst nicht mehr Autos. Eine Mehrheit des Zürcher Stadtparlaments stimmte dem revidierten regionalen Richtplan gestern Mittwoch zu.

Neuste Prognosen gehen davon aus, dass bis 2030 eine halbe Million Menschen in Zürich leben wird. Wo diese in einer verdichteten Stadt wohnen und wie sie sich fortbewegen sollen, gibt der Richtplan nicht genau vor. Er legt nur die Stossrichtung fest: Das Stadtparlament hat am Mittwochabend die dreitägige Debatte zum regionalen Richtplan abgeschlossen. Der 125-köpfige Gemeinderat musste insgesamt über 160 Änderungsanträge zur Vorlage des Stadtrates beraten.

Durchgekommen waren vor allem Anträge von Rot/Grün zu Grünraum und Veloverkehr: So soll es etwa neu Velostrassen geben. Das sind hindernisfreie Schnellrouten mit Vortritt, auf denen zwei Velos nebeneinander Platz haben. Die SVP hatte schon in der Eintretensdebatte ihre Ablehnung angekündigt. Die FDP, die dem stadträtlichen Vorschlag wohlgesonnen gegenüberstand, machte am Schluss einen Schwenker.

"Mobile Froschperspektive"

Für die FDP sei es zu schwierig, die Änderungen "als vernünftig wahrzunehmen", sagte ein Sprecher. Man dürfe nicht alles dem Veloverkehr unterordnen. Zudem fehlten Perspektiven für die Wirtschaft. Auch die CVP zeigte sich verärgert über den "Velofanatismus" und will dies mit ihrer Enthaltung dokumentieren. Die AL bedauerte die "mobile Froschperspektive" der Richtplandebatte. Völlig untergegangen seien wichtige Fragen der Siedlungsentwicklung. Dennoch stimmte die AL dem Plan zu und hofft, dass es nicht zu einem "ideologischen Hosenlupf mit dem Regierungsrat kommt". Dieser setzt den Richtplan abschliessend fest.

Hochbauvorstand André Odermatt (SP) zeigte sich überzeugt, dass der Regierungsrat dem nun verabschiedeten Richtplan "wohlwollend gegenübersteht". Odermatt bedauerte, dass die Verkehrsdiskussion den Blick aufs Ganze verneble. Denn der Richtplan ermögliche es, dass Zürich prosperieren und nachhaltig wachsen könne. Und da er ja behördenverbindlich sei, werde er nicht einfach in einer Schublade verschwinden. Der Plan umfasst einen Planungshorizont von 20 bis 25 Jahren. Die letzte Gesamtüberarbeitung des regionalen Richtplans Stadt Zürich liegt gut 15 Jahre zurück. 

Ja zum neuen Richtplan sagten SP, Grüne, AL und GLP (74 Stimmen). SVP und FDP lehnten ihn ab (42 Stimmen), die CVP (6 Stimmen) und der parteilose Mario Babini enthielten sich in der Schlussabstimmung. (sda)