Boom des Wohnbaus hält an

Boom des Wohnbaus hält an

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Teaserbild-Quelle: baublatt
 
Die Baugesuche für November 2010 sind zahlreich, verglichen mit dem gleichen Monat in den vergangenen zehn Jahren. Nur in den starken Baujahren 2004 und 2005 lag der Wert noch höher. Bewilligungen sind im gleichen Zeitraum durchschnittlich viele erteilt worden. Im Vergleich zu den starken Monaten August und September, wo 4709 beziehungsweise 4366 Baugesuche eingereicht wurden, kühlt die Bauwirtschaft jetzt mit 4027 Gesuchen saisonal bedingt ab. Die Daten des «baublatt»-Bauinfo-Centers deuten aber insgesamt klar darauf hin, dass 2010 ein Spitzenjahr wird, das an die konjunkturell starken Baujahre 2004 bis 2007 anschliesst. Zum Vergleich: Im Jahr 2000, als die Dotcom-Blase platzte, wurden für die laufenden 11 Monate 42 316 Baugesuche gezählt. 2010 liegen die Gesuche mit 52 240 um satte 23,5 Prozent höher.

Siedlungsdruck nimmt zu  

Am meisten nahmen die Baugesuche im Vergleich zum Monat Oktober in den Kantonen Uri (63,6 Prozent), Appenzell Ausserrhoden (50), Zug (34,2) und Tessin (33,8) zu. Stark rückläufig waren sie in den Kantonen Nidwalden (-39,4 Prozent), Schaffhausen (-32,7) und Basel-Stadt (-31,4). Auf dem Wachstumpfad befinden sich die dicht besiedelten Kanton Waadt (22,8 Prozent), Zürich (7,2) und Genf (4,9). In Bern hingegen nahm die Zahl der Baugesuche um 2,7 Prozent ab.  Am meisten stiegen die Gesuche im Vergleich zum Oktober 2010 in der italienischen Schweiz mit 26,1 Prozent. In der Deutsch- und Westschweiz  stiegen sie um 2,6 respektive 4,6 Prozent.    

Bau von Einfamilienhäusern stagniert

Im Hochbau boomen die Mehrfamilienhäuser. Im Vergleich zum November 2009 stiegen die Gesuche um 18,1 Prozent. Dies nachdem sie bereits im August und Oktober gegenüber dem Vorjahr um jeweils 23 Prozent zugenommen hatten. Demgegenüber stagnieren die Baugesuche der Einfamilienhäuser im Vergleich zum Vorjahr seit Monaten. Im öffentlichen Sektor legte der Fürsorge- und Gesundheitsbereich (Spitäler, Pflegeheime, geschützte Werkstätte u.a.) um 86,7 Prozent zu. Ebenso verzeichneten die Verkehrsbauten sowie die Brücken- und Wasserbauten einen Zuwachs von 40,5 respektive 21,7 Prozent. Ausserdem erwacht der Wirtschaftsbau zu neuem Leben. Vermehrt Gesuche eingereicht wurden in den Segmenten Gastgewerbe und Fremdenverkehr (24,1 Prozent),  Handel und Verwaltung (22,3 Prozent) und Land- und Forstwirtschaft (5,6). Für Industrie und Gewerbebauten indessen blieben sie auf Vorjahresniveau. 

Kurze Verschnaufpause

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) geht von einer «erheblichen Expansion der Baubranche» aus. Der Wohnbau und die gesamte Bautätigkeit schwächen sich bis Ende Jahr zwar noch um 5 respektive 10 Prozent ab. Im ersten Halbjahr 2011 jedoch sollen sie auf einen Hochstand klettern (siehe Baublatt 44/2010). Der Wohnbau wird voraussichtlich in den ersten beiden Quartalen 2011 um 18 Prozent zulegen, die gesamten Bauinvestitionen zuerst um 14, dann um 21 Prozent.
(ur)