Bözbergtunnel: Der Bohrkopf ist da

Bözbergtunnel: Der Bohrkopf ist da

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Teaserbild-Quelle: Bild: Pascale Boschung

Das grösste Einzelprojekt des 4-Meter-Korridors auf der Gotthard-Achse ist der Neubau des Bözbergtunnels im Kanton Aargau. Gestern wurde der Bohrkopf auf der Baustelle in Position gebracht. Seine Ausmasse sind riesig: Rund 12 Meter misst er im Durchmesser.

Im Auftrag des Bundes realisieren die SBB bis 2020 einen 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse, damit zukünftig auch Sattelauflieger mit einer Höhe von vier Metern auf der Bahn transportiert werden können. Im Rahmen des Millionenprojektes erhält auch der Bözbergtunnel im Kanton Aargau ein neues Kleid – der bestehende zweispurige Tunnel ist nämlich nicht 4-Meter-tauglich. Infolgedessen wird parallel dazu eine neue 2,7 Kilometer lange Doppelspur-Röhre gebaut. Der alte Tunnel wird zum Dienst- und Rettungsstollen umfunktioniert, und fünf Notausgänge sollen zwischen den Röhren in Form von Querverbindungen Platz finden. Das Vorhaben am Bözbergtunnel ist das grösste Einzelprojekt des 4-Meter-Korridors.

Das nördliche Portal der neuen unterirdischen Verbindung liegt bei Effingen, das südliche bei Schinznach-Dorf. Bei Letzterem konnte diese Woche der Bohrkopf in seiner vollen Grösse bestaunt werden – er wurde für den im Frühling geplanten maschinellen Vortrieb der Tunnelbohrmaschine angeliefert. Der eindrückliche Steinfresser hat einen Durchmesser von 12,36 Metern und wird sich pro Tag etwa 22 Meter vorarbeiten. «Der Bohrer ist aber noch nicht einsatzbereit. Zuerst muss er zusammengesetzt werden.», erklärt der Gesamtprojektleiter Thomas Zieger. Hinter dem Kopf des Bohrers werden momentan weitere Teile der riesigen Maschine montiert. «Allein für die Montage des Bohrkopfs und die Installation des gesamten Tunnelbohrers braucht es ein Team aus rund 20 Personen. Bis alles zusammengestellt ist, dauert es zirka drei bis vier Monate.» Der maschinelle Vortrieb mit der Tunnelbohrmaschine findet von Frühling 2017 bis Anfang 2018 statt.

Auch beim bergmännischen Vortrieb hat sich bereits einiges getan: Rund 130 Meter Lockergestein wurde im neuen Bözbergtunnel ausgebrochen. Das Tunnelausbruchmaterial soll beim Start der Bohrung zunächst über ein Förderband auf die Zwischendeponie Elbis transportiert werden. Ab Frühjahr 2018 wird das Material dann mittels Bahnverlad ab dem Südportal Schinznach nach Wildegg zur Deponie Oberegg der Jura Cement Werke abtransportiert.

Europäische Umschlagbehältnisse dank 4-Meter-Korridor möglich 

Dank des 4-Meter-Korridors können in Zukunft auch auf der Gotthard-Achse alle europaweit gängigen Umschlagbehältnisse transportiert werden. Dafür werden auf der 270 Kilometer langen Strecke zwischen Basel und der italienischen Grenze bis 2020 insgesamt rund 20 Tunnels für Transporte mit Eckhöhen von vier Metern ausgebaut oder neu erstellt. Zudem folgen bis zu 80 Einzelanpassungen an Perron-Dachkanten, Fahrstrom- und Signalanlagen sowie Überführungen. Für die Realisierung des 4-Meter-Korridors wurde 2013 vom Parlament ein Kredit von 990 Millionen Franken genehmigt. Davon entfallen 280 Millionen Franken für die Massnahmen in Italien und 350 Millionen Franken auf den Neubau des Bözbergtunnels. (pb)

Technische Angaben zur Tunnelbohrmaschine:

(link is external) PDF: Technische Angaben zur Tunnelbohrmaschine am Bözberg

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