Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) wird doppelt so teuer

Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) wird doppelt so teuer

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Die geplante 29 Kilometer lange Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) hat einen stattlichen Preis: Insgesamt 1,55 Milliarden Franken sollen verbaut werden. Das ist fast das Doppelte der ursprünglich bewilligten 800 Millionen. Dies wurde bekannt, nachdem das ausgearbeitete Projekt für den ersten Abschnitt der BTS vorliegt. Der Kantonsingenieur rechtfertigt die Mehrkosten.

Mit der künftige Nationalstrasse N23 sollen Dörfer und Städte im Mittel- und Oberthurgau sowie entlang der Seestrasse verkehrstechnisch entlastet und die Lebensqualität soll verbessert werden, steht auf der Website des Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau. Parallel dazu sollen der Langsamverkehr und der öffentliche Verkehr gefördert werden. Das Portemonaie der Steuerzahler sollte sie allerdings nicht übermässig angreifen. Bei der Abstimmung im Jahr 2006 war noch von 800 Millionen Franken die Rede gewesen. Nun haben sich die Gesamtkosten mit 1,55 Milliarden Franken fast verdoppelt.

Die detaillierte Planung der Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) hat zu einem Rattenschwanz an Mehrkosten geführt. Dies berichtet die Thurgauer Zeitung. Erst Detailabklärungen hätten gezeigt, dass etwa kompliziertere Entwässerungsanlagen mit Becken und Pumpen für das Strassenabwasser nötig würden, erklärte Kantonsingenieur Andy Heller. Wegen des Hochwasserrisikos stünde auch eine Bachumlegung an. Für Lärmschutzmassnahmen müssten Strassenabschnitte überdacht werden, ausserdem seien alle Auffahren neu und auch leistungsfähiger zu planen. Dafür muss zusätzlich Land erworben werden.

Die zunächst veranschlagten 800 Millionen Franken basierten auf einer groben Konzeptstudie beauftragter Ingenieurbüros. Erst bei der späteren Projektierung sei klar geworden, dass zahlreiche Mehrkosten anstehen würden. Rund ein Drittel der Mehrkosten von 750 Millionen Franken werden vor allem mit komplizierten Tunnelkonstruktionen aufgrund ungünstiger geologischer Verhältnisse auf der 14 Kilometer langen ersten Etappe von Arbon nach Amriswil begründet. Auch die hohen Standards des Bundesamtes für Strassen (Astra) werden angeführt, auch wenn sich hierbei in den vergangenen Jahren nichts geändert hat.

Den Ingenieurbüros wird die grobe Fehleinschätzung nicht zum Vorwurf gemacht: Sie hätten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, sagt Kanontsingenieur Andy Heller im Interview mit der Thurgauer Zeitung. Denn die Vorstudie für das Projekt habe noch nicht auf den Untersuchungen zu Hochwassersituationen oder der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds basiert. Diese wurden erst später in Auftrag gegeben. Ausserdem habe die Bevölkerung 2006 nicht über den Kredit abgestimmt, sondern es sei eine Grundsatzentscheid zu dieser Strassen gewesen. Mehrkosten bei Projekten dieser Art seien nicht üblich, so der Kantonsingenieur. Alle zusätzlichen Leistungen und dadurch verursachten Kosten könnten detailliert und nachvollziehbar begründet werden.

Den Vorwurf, vier Jahre mit der Ankündigung und Erklärung über die Verdopplung der Kosten zurückgehalten zu haben, wies Heller von sich. „Die genauen Kosten kennen wir erst seit wenigen Monaten. Danach erfolgte eine externe Überprüfung der Kosten wie auch eine interne Prüfung der Finanzverwaltung. Die letzten Resultate dazu liegen uns seit Anfang März vor“, betonte er.

Bis  2018 soll die Detailplanung der kompletten BTS-Strecke vorliegen. Danach wird das Projekt dem Bund übergeben, der es finanzieren soll. Kritiker bezeichnen die Kosten als kalkulierte Geldverschwendung und zweifeln an der Realisierung. Mit dem Baubeginn ist frühestens 2024 zu rechnen. (cb/pd)