„Blühen“ Londons „Robin Hood Gardens“ auch in Zukunft?

„Blühen“ Londons „Robin Hood Gardens“ auch in Zukunft?

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Teaserbild-Quelle: stevecadman, wikimedia.org, cc-by-sa-2.0

Sie ist eine Architekturikone und dürfte eine der wohl umstrittensten Bauten Londons sein: die 1972 errichtete Sozialwohnungsüberbauung  „Robin Hood Gardens“ aus der Feder des Architektenpaares Alison und Peter Smithson im Stadtteil Poplar.

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stevecadman, wikimedia.org, cc-by-sa-2.0
Prägendes Element der Fassade sind die Fensterrahmen.

Die beiden langestreckten, sich gegenüberliegenden Blöcke aus Betonfertigteilen gelten als ein besonders typisches Beispiel für den Brutalismus und verströmen, wenn auch mittlerweile arg heruntergekommen, noch immer einen ganz eigenen Charme. Zumal sich zwischen den zwei zehn- bzw. siebenstöckigen Gebäuden ein grosszügiger Park befindet. Daneben bieten grosszügig Balkone, die sich als durchgehende Bänder über die ganze Front der Fassade auf Parkseite ziehen, den Bewohnern zusätzlichen  Erholungsraum. Alles in allem ist die Anlage ein gutes Beispiel für die Ästhetik der Smithsons, bei der Funktion, Einbezug der Umgebung sowie kostengünstige und lokale Baustoffe im Zentrum stehen. Überdies hatten die Architekten mit der Anlage das Lärmproblem elegant gelöst: Die beiden Häuser, an deren Rückseite dichtbefahrene Strassen vorbeiführen, dienen gleichzeitig als Lärmschutzwand für den Park.

Kriminelles Quartier, kriminelle Bewohner?

Doch während die einen die „Robin Hood Gardens“ als gute Architektur erachten, möchten sie andere abreissen. Der markante Bau polarisiert, seit dort die ersten Mieter eingezogen sind. Denn Poplar gehört zu den kriminelleren Quartieren der Stadt und den „Robin Hood Gardens“ wird vorgeworfen, kriminelle Bewohner anzuziehen. Eine der Ursachen dafür sehen Kritiker des Gebäudekomplexes in dessen Architektur.  Darum beschlossen die Behörden 2012, das Werk der Smithsons  abzureissen und mit einer neuen Überbauung zu ersetzen, was bei Architekturfreunden für einen Aufschrei gesorgt hatte.

Und obwohl das Ende eigentlich gesetzt war, stehen die Häuser noch. Wie verschiedene englische Medien vor wenigen Wochen berichteten, ist mittlerweile gar nicht mehr klar, ob die Bauten tatsächlich neuen weichen müssen. Dies dürfte nicht nur dem Widerstand von Architekten und Interessierten zu verdanken sein, sondern auch indirekt Andy Burnham, dem früheren Kultursekretär des Vereinigten Königreichs. Dieser hatte nämlich 2009 den „Robin Hood Gardens“ einen besonderen rechtlichen Status verliehen, der garantiert, dass sie rasch abgebrochen werden können. Doch dieser ist mittlerweile abgelaufen. Und darum will nun die Twentieth Century Society bei den Behörden erneut beantragen, die Architekturikone vor dem Zerfall zu retten und unter Schutz zu stellen. – Die Twentieth Century Society ist eine ehrenamtliche Denkmalschutzorganisation, die sich für den Erhalt von Bauten des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts engagiert.  

Mögliches Happy-End

Seit neuestem hat sich auch der britische Pritzkerpreisträger Richard Rogers in die Diskussion eingeschaltet und fordert  in einem offenen Brief dazu auf, sich beim Ministerium für Kultur, Medien und Sport für den Erhalt der Wohnüberbauung schriftlich stark zu machen.

Somit stehen die Chancen nicht schlecht, dass die „Robin Hood Gardens“ überleben. Ob die Chancen gut stehen, dass dort auch in Zukunft Menschen wohnen, die sich nur wenig leisten können, ist aber wahrscheinlich eine andere Geschichte. (mai)