Binding Waldpreis 2016 geht an Basadingen-Schlattingen TG

Binding Waldpreis 2016 geht an Basadingen-Schlattingen TG

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Nachhaltigkeit war gestern, heute wird immer häufiger Suffizienz gefordert. Nach dem Prinzip «weniger ist mehr» pflegt die Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen TG ihren Wald. Für ihre weitsichtige Waldbewirtschaftung erhält sie den mit 200 000 Franken dotierten Binding Waldpreis.

Die preisvergebende Sophie und Karl Binding Stiftung sieht den Ansatz der Suffizienz als zukunftsweisend an, um Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu decken. Deswegen zeichnet sie 2016 die Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen mit dem Binding Waldpreis aus. Aufgrund von Ressourcenknappheit merke man, dass «Nachhaltigkeit» als Managementsystem an seine Grenzen stösst, heisst es in der Medienmitteilung des Binding Waldpreises. Das Ziel einer dauerhaft ausgewogenen Wirtschaftsweise werde damit kaum erreicht: «Um eine naturverträglichere Gesellschaft zu erreichen, wird vermehrt der Ansatz der Suffizienz diskutiert – auch in der Schweizer Waldwirtschaft.»

Die Forstwirtschaft hat den Begriff «Nachhaltigkeit» geprägt und ist gewohnt, mit komplexen Natursystemen umzugehen. Sie sei daher geradezu prädestiniert, Suffizienz respektive Genügsamkeit vorzuleben. Mit kluger Beschränkung der Ziele und Mittel soll der Ressourcenverbrauch verringert werden, um auch zukünftigen Generationen fruchtbare Böden, trinkbares Wasser und saubere Luft zu gewährleisten.

Die Preisträgerin zeige beispielhaft, wie nach dem Prinzip «weniger ist mehr» erfolgreich Waldbewirtschaftung betrieben werden kann. Mit ihrer Zurückhaltung gegenüber kurzfristigen Zielen habe sie langfristigen ökonomischen und ökologischen Mehrwert erreicht. «Eine vorbildliche Haltung, übertragbar auch auf andere Branchen», so die Jury.

Basadingen-Schlattingen denkt langfristig

Suffizienz in der Waldbewirtschaftung bedeutet vor allem eine ressourcenschonende, massvolle Holznutzung. Für den Wald der Bürgergemeinde Basadingen-Schlattingen gilt seit 1392 die Regel, dass einzeln bezeichnete Bäume zugunsten langfristiger Ziele nicht gefällt werden dürfen. Diese Zurückhaltung hat die Thurgauer Bürgergemeinde bis heute bewahrt.

In ihrem 308 Hektaren grossen Wald führt sie keine radikalen Holzschläge mit Grossmaschineneinsatz durch. Damit verzichtet sie bewusst auf kurzfristige Gewinnmaximierung. Sie setzt auf Einzelbaumpflege und fällt Altbäume erst, wenn sie am Ende ihrer Lebenskraft angelangt sind. Ihren suffizienten Ansatz verstärkte sie im Jahre 2009 zusätzlich mit einem Nutzungsverzichtsvertrag für Alteichen, den sie mit dem kantonalen Forstamt abschloss.

Gewinn in der Zukunft

Diese Selbstbeschränkung ist für die Verantwortlichen des Binding Waldpreises beispielhaft und nachahmenswert. «Denn was heute als Verzicht wahrgenommen wird, erreicht in der Zukunft sowohl einen ökonomischen wie ökologischen Mehrwert.»

Im ausgezeichneten Wald stehen zurzeit rund 2500 Fichten, 900 Eichen, 300 Buchen und 300 Tannen, die alle einen Umfang von mehr als zwei Metern aufweisen. Einige dieser zum Teil rund 200-jährigen Altbäume sind mit ihrer überdurchschnittlichen Holzqualität sehr wertvoll und werden daher Wertträger genannt. Wertvoll sind sie auch für die Natur. Mit dem Erhalt der Altbäume, kombiniert mit einer rücksichtsvollen, genügsamen Waldbewirtschaftung, entstand ein mehrstufiger und artenreicher Wald.

Dank der Durchmischung ist der Wald einerseits widerstandsfähiger. Andererseits bietet die vielfältige Waldstruktur mit den zahlreichen Altbäumen seltenen Tier- und Pflanzenarten einen optimalen Lebensraum. So gedeihen auch Lungenflechten im speziellen Waldinnenklima und der seltene Grosse Rosenkäfer findet auf den alten Eichen ideale Bedingungen. «Nicht nur der Erlös der Wertträger, auch solche Natur-Juwelen sind echte Gewinne für das suffiziente Handeln der Bürgergemeinde», so die Jury. (mgt/aes)