BFE-Studie zu Gebäudestandards: Planungswerte und der Faktor Mensch

BFE-Studie zu Gebäudestandards: Planungswerte und der Faktor Mensch

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Bei neuen und umgebauten Mehrfamilienhäusern ist der Unterschied zwischen den Planungswerten und dem tatsächlichen Energieverbrauch besonders gross. Dies stellt das Bundesamt für Energie (BFE)  in seiner  erstmaligen  Erfolgskontrolle zum Bauen nach Minergie und gesetzlichen Standards fest. Einer der Hauptgründe für die starke Abweichung dürfte das Verhalten der Bewohner sein.

Für die Studie wurden insgesamt 214 Objekte unter die Lupe genommen, die allesamt nach Minergie, Minergie A und Minergie P oder gesetzlichen Baustandards  gebaut oder saniert worden sind. Untersucht wurde der jährliche Energieverbrauch im Verhältnis zur Energiebezugsfläche. Dabei zeigte sich, dass bei Einfamlienhäusern und Umbauten die Planungswerte eingehalten werden konnten, wenn auch unterschiedlich gut.

Mehrheitlich gar nicht eingehalten werden konnten sie hingegen bei neuen und umgebauten Mehrfamilienhäusern. Als Gründe führen die Studienautoren Funktions- und Einstellungsprobleme an sowie ein tiefer Wirkungsgrad der Heizung. Dies bedeutet, dass die Ursache für den stark von den Planungswerten divergierenden Energieverbrauch im Verhalten der Nutzer liegt.

Neben dem Energieverbrauch wurden mit der Studie auch die qualitativen Aspekte von Minergie angeschaut. Die Zufriedenheit der Bauherrschaft, die nach Minergie gebaut hätten, sei gross, teilt das BFE dazu mit und beruft sich auf eine Onlineumfrage bei Architekten und Bauherren. Knapp vier von fünf Bauherrschaften würden heute wieder  nach demselben Minergiestandard bauen. Die zusätzlichen 50 befragten Experten dürften dies möglicherweise etwas anders sehen:  Die Gespräche hätten gezeigt, dass die Minergie-Gebäudestandards an Vorsprung eingebüsst haben, weil auch beim konventionellen Bauen technologische Fortschritte erzielt worden seien, heisst es in der Medienmitteilung.

Und was sagen die Bewohner über ihr Zuhause?  Laut der Studie sind sie bezüglich Schallschutz sowie Schutz vor Zugluft und Kochgerüchen zufrieden. Allerdings empfanden sie die Luft in den Räumen winters oft als zu trocken. Das Zusammenspiel von Energieeffizienz und Nutzerbedürfnissen sei noch genauer zu analysieren,  hält dazu das BFE fest. In einem nächsten Schritt will nun EnergieSchweiz gemeinsam mit dem SIA, Gebäudetechnikverbänden und weiteren Marktakteuren „den Bereich Betriebsoptimierung weiter entwickeln und unterstützen“.  (mai)  

Berghütte mit Vorbildcharakter: Die Monte-Rosa-Hütte oberhalb Zermatt erhielt 2010 das Minergie-P-Zertifikat. (Foto: ETH-Studio Monte Rosa/Tonatiuh Ambrosetti, 2009)

Monte-Rosa-Hütte (ETH-Studio Monte Rosa/Tonatiuh Ambrosetti, 2009)