Bewohnte Maiensässe zerfallen nicht

Bewohnte Maiensässe zerfallen nicht

Gefäss: 
Teaserbild-Quelle: Bild: Graubünden Ferien, Sedrun Disentis

Maiensässen, die nicht mehr für die Landwirtschaft benötigt werden, droht heute oft der Zerfall. Eine Mehrheit des Bündner Grossen Rates fordert deshalb die vereinfachte Umnutzung von Ställen und Hütten in Ferienhäuser.

Quelle: 
Bild: Graubünden Ferien, Sedrun Disentis
Tief verschneites Maiensäss in Caischavedra oberhalb Disentis: Einzelne ehemalige Ställe werden bereits heute touristisch genutzt.

Bündner Maiensässe, die zumeist ausserhalb der Bauzone stehen, werden heute oft nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Deren Umbau in Ferienhäuser ist jedoch – wenn überhaupt – erst nach aufwendigen Bewilligungsverfahren möglich. Viele Eigentümer resignieren deshalb und tätigen nicht einmal mehr die für den Unterhalt notwendigsten Investitionen. Die logische Folge: die Ställe verfallen.

Bauruinen in der schönen Bündner Bergwelt sind jedoch Reto Crameri ein Dorn im Auge. Der Bündner CVP-Grossrat hat deshalb einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, wie die «Südostschweiz» am Montag berichtet. Die Bündner Regierung soll im revidierten kantonalen Raumplanungsgesetz dafür sorgen, dass die Bewilligungsverfahren für die Umnutzung von Maiensässen, die vor dem Jahr 1972 erstellt wurden, vereinfacht, verkürzt und beschleunigt werden. Insbesondere soll die Zahl jener Bauvorhaben, die nicht bewilligungspflichtig sind, erweitert werden. Heute lege der Bund ausserhalb der Bauzonen «fast abschliessend fest, welche Bauvorhaben zulässig sind», kritisiert Crameri. Die Kantonsregierung müsse deshalb eine Standesinitiative einreichen, um auf den Bund einzuwirken.

Naturnahe «Heidi-Romantik»

Crameris Wunsch nach Lockerungen in der Bewilligungspraxis trägt eine grosse Mehrheit des Grossen Rates mit – und dies von links bis rechts. Sukkurs erhält Crameri auch von Fachleuten wie Peter Tarnutzer, Präsident des Vereins für Raumentwicklung, Kultur und Landschaft (Rakul): «Die Motorisierung in der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Maiensässe kaum noch von Bauern genutzt werden. Die Gesetzgebung hat diesen Strukturwandel aber bis heute nicht nachvollzogen.»

Beim Maiensäss-Vorstoss gehe es nicht darum, das Zweitwohnungsgesetz auszuhebeln, betont Crameri: «Bei der Berechnung der Zweitwohnungsquote einer Gemeinde werden diese mitgezählt.» Das Zweitwohnungsgesetz bleibt so unangetastet. Der CVP-Grossrat befürchtet auch nicht, dass Maiensässe reihenweise umgebaut und danach an reiche Gäste aus dem In- und Ausland verhökert würden: «Maiensässe liegen meist abgelegen und sind nicht optimal erschlossen. Das ist nicht der Ort, wo diese Art von Gast seine Skiferien verbringen will.» Dank dem Vorstoss könnte jedoch ein Stück Bündner Kulturgeschichte erhalten bleiben: das typische Landschaftsbild mit Maiensässbauten. Liebhaber naturnaher Ferien würden sich über etwas mehr «Heidi-Romantik» in Graubünden sicher freuen. (gd)