Beschaffungswesen: Haben Westschweizer das Nachsehen?

Beschaffungswesen: Haben Westschweizer das Nachsehen?

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Dass Unternehmen aus der lateinischen Schweiz bei Vergaben des Bundes im Gegensatz zu jenen aus der deutschen Schweiz ins Hintertreffen kommen liegt nicht nur an den Sprachbarrieren. Zu diesem Schluss kommt eine vom Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) in Auftrag gegebene Studie.

Sprachbarrieren im öffentlichen Beschaffungsweisen der Bundesverwaltung sind das Thema einer Studie, die das BBL bei der Firma Key-Team in Auftrag gegeben hatte. Dies, nachdem verschiedene parlamentarische Vorstösse aber auch die Westschweizer Regierungskonferenz festgestellt hatten, dass die lateinische Schweiz bei Vergaben des Bundes untervertreten ist.

Die Autoren kommen zum Schluss, dass zwar eine Sprachbarriere existiert, dass diese aber nur eine der Ursachen dafür ist, dass Bewerber aus der französisch- und italienischsprachigen Schweiz weniger oft als jene aus der Deutschschweiz zum Zuge kommen. Als weitere Ursachen nennen sie etwa die „kulturell unterschiedliche Wahrnehmung der Komplexität öffentlicher Aufträge“ sowie die Ballung der Bundesämter in der Region Bern.

Deshalb hat der Bundesrat den Auftrag erteilt, einige der in der Studie genannten Empfehlungen zu berücksichtigen und zu überprüfen. Damit sollen künftig Eingaben in allen drei Amtssprachen zugelassen werden. Zudem soll im Einladungsverfahren möglichst mindestens ein Angebot von einem Anbieter aus einer anderen Sprachregion stammen.

Dennoch, eines der Hauptprobleme, das zwar nicht direkt etwas mit einer Sprachbarriere zu tun hat, wird offenbar ausser acht gelassen. Zumal die deutsche Schweiz von der französischsprechenden etwas lernen könnte: Während in der Westschweiz Offene Wettbewerbe an der Tagesordnung sind, sind es in der deutschen Schweiz selektive. Kleinen Unternehmen oder Neulingen wird es mit Präqualifaktionsverfahren massiv erschwert, den Zuschlag zu erhalten. Den Auftrag erhält wer bekannt ist oder genug vorweisen kann. Und damit wiederum können gute Vorschläge möglicherweise gar nicht erst gemacht werden und die Förderung von auf eine Chance angewiesenen Newcomern bleibt ebenfalls oft auf der Strecke. (mai)