Berner Schulhaus wird saniert – wegen Naphthalin

Berner Schulhaus wird saniert – wegen Naphthalin

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In der Schulanlage Manuel in Bern wird eine mechanische Lüftung eingebaut, um die Belastung durch den Bauschadstoff Naphthalin auf die WHO-Richtwerte zu senken. In stark belasteten Räumen werden zudem die Böden saniert. Die Kosten belaufen sich auf rund 500'000 Franken.

Die Stadt Bern hatte bereits vor zwei Jahren Sofortmassnahmen ergriffen, nachdem alle 264 Stadtberner Schulen und Kindergärten auf die Schadstoffbelastung durch Naphthalin untersucht worden waren. Naphthalin ist unter anderem in Teeröl enthalten, das während Jahrzehnten als Baustoff eingesetzt worden ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einen Richtwert von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter definiert. Die Testsanierungen im Manuel-Schulhaus haben nun gezeigt, dass die Naphthalin-Raumluftkonzentration mit einer mechanischen Lüftung unter die WHO-Norm gesenkt werden kann, wie die Stadt Bern am Dienstag mitteilte.

Bei Räumen mit höheren Naphthalin-Ausdünstungen werden zusätzlich zur Lüftung die Böden saniert. Die Sanierungsmassnahmen erfolgen im Rahmen des Um- und Ausbaus der Schulanlage in den Jahren 2016 bis 2019.

Ersatzneubau keine Option

Der Einbau einer mechanischen Lüftung ist eine von drei Varianten. Eine davon wäre der Rückbau bis auf den Rohbau gewesen, was aber das Problem der Naphthalin-Belastung nicht gelöst hätte. Weiter wurde von einem Abbruch und Ersatzneubau abgesehen, weil die Gebäudestruktur grundsätzlich intakt sei, wie die Stadt Bern schreibt.

Das Manuel-Schulhaus ist eine typische Pavillonschulanlage, wie sie in der Zeit zwischen 1945 und 1960 entstanden ist. Die Anlage ist deshalb denkmalgeschützt.

Aus Kostengründen nicht weiterverfolgt wurde eine Totalsanierung aller Böden.

Der Baustoff Teeröl, der Naphthalin enthält, wurde bis in die 1980er-Jahre als Feuchteschutz in Gebäuden verwendet, häufig in Fussböden. Auch in Mottenkugeln war früher Naphthalin enthalten. Heute ist es verboten, Naphthalin in Innenräumen zu verwenden. Ob der Schadstoff in hohen Dosen Krebs erregen kann, ist nicht abschliessend gesichert. (sda)