Berner Frauenklinik wird definitiv saniert

Berner Frauenklinik wird definitiv saniert

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Das Berner Inselspital will die Baumängel an der Südfassade der Frauenklinik definitiv beheben: Wegen einer Fehlkonstruktion sind die Stützenlager zerquetscht und müssen ersetzt werden. Die Schäden hatten für heftige Diskussionen und Kritik an der Berner Baudirektion gesorgt.
 
Im Jahr 2002 öffnete 123 Millionen Franken teure, neue Berner Frauenklinik ihre Türen. Im Sommer 2007 entdeckte man an ihrer Tragkonstruktion Schäden: Der Hauptträger der Südfassade hatte sich um fünf Prozent verdreht. Zudem stellte sich heraus, dass der Bau nicht erdbebensicher ist. „Die Fassade hätte man so nicht bauen dürfen“, sagte Bernhard Leu, Direktor Betrieb am Inselspital, heute vor den Medien. Der Grund für diese Probleme liegt wohl darin, dass man beim Bau der Klinik hatte neue Wege beschritten hatte: Haupttragelemente der Geschossdecken bilden die Fassaden sowie die Treppenhäuser und Liftschächte.  2009 stoppte man mit „Sofortmassnahmen“ die Verformungen der Tragegelenke der Fassade. Allerdings rieten laut Medienmitteilung des Spitals die zugezogenen Experten zu einer definitiven Lösung, sonst könnten sie in Zukunft keine Verantwortung für die Stabilität des Gebäudes übernehmen.
 
Für die Sanierung muss die Südfassade nun teilweise geöffnet werden; Auf den acht Stützen der Fassadenkonstruktion lasten bis 900 Tonnen Druck. Die Sanierung sei ein massiver Eingriff in die Kernprozesse der Frauenklinik, so Leu. Das Inselspital könne die Klinik für die Sanierung nicht einfach schliessen, weil die Einrichtung für die medizinische Versorgungssicherheit Berns und der angrenzenden Kantone wichtig sei. Das Inselspital lässt deshalb ein zweistöckiges Ersatzgebäude auf dem benachbarten Inselheimmatte-Parkplatz erstellen. Die sensiblen Räume der Frauenklinik können so zwischen 2014 und 2015 dorthin ausgelagert werden. Danach soll der Bau während acht bis zehn Jahren für weitere Renovationen genutzt werden. Für die anstehende Sanierung bedeutet dies, dass die Geburtsstation, die Neonatologie und die Operationssäle im Ersatzbau einziehen. „Das ist nicht einfach ein Container, sondern ein Gebäude, das mehrfach genutzt werden soll“, führte dazu Urs Birchler, Direktionspräsident des Inselspitals, aus. Zunächst werde das Ersatzgebäude 2013 während neun Monaten für Teile der Kinderklinik im Rahmen der laufenden Instandsetzung genutzt.
 

Gesamtkosten stehen noch nicht fest

 
Wie teuer die Behebung der Schäden wird, ist noch nicht klar. Allein die Sanierung der Fassade könnte nach ersten Schätzungen zehn bis zwölf Millionen Franken kosten, wie Peter Rychiger, Verwaltungsratspräsident der Inselspitalstiftung, sagte. Die Kosten für das Ersatzgebäude und den zusätzlichen Betriebsaufwand seien aber noch völlig offen. „Wir kennen noch nicht alle Details der Sanierung, aber wir wissen, dass ein Ersatzspital die einzige vernünftige Lösung ist“, so Rychiger. Das Inselspital stelle die medizinische und bautechnische Sicherheit ins Zentrum. Sobald die Kosten konkret berechnet seien, fänden zwischen der Inselspitalstiftung und dem Kanton Bern Verhandlungen zur Finanzierung statt, hiess es weiter. Für technische Abklärungen und Sofortmassnahmen hat das Inselspital bisher knapp 1,3 Millionen Franken ausgegeben.

Ende einer unschönen Geschichte?

Mit der definitiven Sanierung der Frauenklinik dürfte ein unschönes Kapitel in der Geschichte des Inselspitals ein Ende finden. Denn seine Baumängel hatten für hitzige Diskussionen gesorgt: Vergangenen April hatte die Zeitung „Der Bund“ recherchiert, dass die Generalunternehmung schon vor Baubeginn auf die gravierenden statischen Mängel des Projektes hingewiesen hatte. Dennoch verwehrte man ihr die Einsicht in die Planungsunterlagen der kantonalen Baudirektion. Wie der „Bund“ damals berichtete, ging aus einem Briefwechsel zwischen der GU - der heutigen Implenia - und der Baudirektion hervor, dass der GU damals sogar mit dem Abbruch der Zusammenarbeit gedroht wurde, würde die Haftung für die Planung nicht übernommen. (Siehe dazu den Artikel "Implenia bezahlt eine Million Franken" vom 7. September 2010 sowie "Hochbauamt Wusste von Statikproblemen" vom 8. April 2011) Allerdings sind dann die statischen Mängel erst drei Monate nach Ablauf der Garantie festgestellt geworden. (mai/sda)