Bernaqua: Deckeneinsturz wegen Baumängeln

Bernaqua: Deckeneinsturz wegen Baumängeln

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Teaserbild-Quelle: zvg
Ein halbes Jahr nach dem Deckeneinsturz im Berner Erlebnisbad Bernaqua liegt ein erster Expertenbericht zu den Ursachen vor. Er moniert mehrere Mängel an der Decke, vor allem eine nicht sachgemässe Aufhängung.
 
 
Die Experten der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben einen 136-seitigen Bericht zum Einsturz der Bernaqua-Decke vorgelegt. Bei diesem wurde am 12. April 2011 ein Mann verletzt und eine Frau erlitt einen Schock.
 
Die Fachleute haben an der Decke des Berner Erlebnisbades, ein Werk des Architekten Daniel Libeskind, mehrere Mängel ausgemacht. Hauptsächlich eine fehlerhafte Aufhängung der Platten der Unterdecke habe zum Unglück geführt. Diese wird von Hängern getragen, die in regelmässigen Abständen angeordnet sind. Doch in einem weit auskragenden Deckenbereich fehlte ein solcher. Das führte zur rund fünffachen Belastung des nächstgelegenen Hängers gegenüber der Nennlast – und schliesslich zu einer Kettenreaktion.

Gips verzögerte Einsturz

Dass die Decke erst drei Jahre nach der Montage abstürzte, führen die Experten auf die Randkonstruktion mit gefaltetem Gipskarton zurück. Dieser half die Hänger zu entlasten, ehe er am Falz infolge Alterung und Feuchtigkeit teilweise einriss. Zeugen hatten vor dem Unfall ein längeres Reissgeräusch gehört.
 
Die Experten machen auf weitere Umstände aufmerksam, die den Deckenabsturz begünstigten. So sei ein Hängertyp eingesetzt worden, der rund 30 Prozent schwächer sei als der bestellte. Wäre der stärkere Hängertyp zum Einsatz gekommen, wäre die Decke "wahrscheinlich nicht abgestürzt".
 
Die Staatsanwaltschaft lässt offen, ob dieses Expertenberichtes als entscheidendes Beweismittel tauglich ist. Gegen die Betreiber des Bernaqua besteht der Verdachts der Verfehlungen gegen anerkannte Regeln der Baukunde. Die Justiz ermittelt aber auch unter dem Aspekt der fahrlässigen Körperverletzung. Die Halle ist seit dem Unglücksfall geschlossen und wird erst wieder eröffnet, wenn eine vollständig neue Konstruktion und Deckenverkleidung eingebaut sind. Wann dies geschehen soll, ist offen. (bk)
 
 
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