Bern: Wir wohnen, wohnen, wohnen auf der Autobahn...

Bern: Wir wohnen, wohnen, wohnen auf der Autobahn...

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Im Vergleich zu Städten wie Basel und Zürich gibt es in Bern nur wenige Baulandreserven. Ein Architekt will das Problem mit einer Siedlung auf der Autobahn nördlich des Viererfelds entschärfen.

Bern wächst und gleichzeitig fehlt es an Bauland für Wohnungen. Eine Möglichkeit, zusätzlichen Platz zu schaffen, hatten die Initianten und der Förderverein des Projektes „Waldstadt Bremer“ im Bremgartenwald gesehen. Der Wald liegt zwischen dem Länggasse-Quartier sowie der Autobahn und dient den Stadtbernern allerdings auch als Naherholungsraum. Zirka 43 Hektaren hätten hier gemäss den Initianten 6000 bis 8000 Einwohnern Platz bieten können. Allerdings sorgte diese Idee während Jahren für fruchtlose Diskussionen, unter anderem weil dort das Bedürfnis nach mehr Wohnraum mit dem nach einem Naherholungsgebiet kollidieren. Vor rund einem Jahr entschied sich der Gemeinderat schliesslich, das Projekt für die kommenden Jahre auf Eis zu legen. Zumal für eine Realisierung des Projektes Wald gerodet und dafür wiederum das nationale Waldgesetz hätte angepasst werden müssen.

Doch nun will  Architekt Hansruedi Bolliger aus Thun eine Lösung für die mangelnde Baulandreserven gefunden haben. Statt im Wald will er auf der Autobahn nördlich des Viererfelds bauen. Dies berichtete die Berner Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe. Er stellt sich eine stufenförmig konzipierte Siedlung vor, mit der sich die Autobahn auf einer Strecke von bis zu 3 Kilometern Länge überdecken liesse. Der Lärm würde so vom darüber liegenden Deckel und den darunterliegenden Tiefgaragen geschluckt, gleichzeitig könnte man die Abgase auch als Wärmequelle genutzt werden. Zudem stellt sich Bolliger vor, die Wohnungen allesamt nach der Süden ausrichten, damit sie ganztags besonnt sind. Zudem soll die Siedlung auf der Autobahn nicht nur lang sondern mit 17 Etagen auch relativ hoch werden. Statische Probleme sieht er keine. Die durchgehenden Wände bildeten mit dem  Garagengeschoss und der Rückwand ein stabiles Dreieck, erklärt er gegenüber der Zeitung. Laut  Ingenieur Conrad Jauslin – Mitverfasser einer Studie zu Bauten auf Autobahnen (Lesen Sie dazu Wohnen auf der Autobahn bringt wenig vom 19.12.2014) – ist die Bolligers Vision „technisch gut  machbar“.  Ob die Siedlung aber ein Luftschluss bleiben wird, dürfte sich erst noch zeigen. Wie Stadtplaner Mark Werren gegenüber der Berner Zeitung ausführte sind Idee und Konzept grundsätzlich interessant, „jedoch viel zu wenig konkret“. (mai)

Den Artikel aus der Berner Zeitung finden sie hier: http://bo.bernerzeitung.ch/region/bern/Bern-soll-ueber-die-Autobahn-wachsen/story/12540087