Berlin: Cheminée und Co. verboten

Berlin: Cheminée und Co. verboten

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Wie andere Grossstädte leidet auch Berlin unter massiv steigenden Mieten. In den letzten fünf Jahren sind sie im Durchschnitt um rund ein Drittel angewachsen. Einzelne Bezirke versuchen die Situation zu entschärfen, indem sie mit massiven Verboten Sanierungen und Umbauten stark einschränken.
 
In dieser Hinsicht die Nase wohl am weitesten vorn hat Pankow mit 380'000 Bewohnern, jährlich vergrössert sich der beliebte Stadtteil um 5000. Es dürfte am Szeneviertel Prenzlauer Berg liegen, der im Süden Pankows liegt. Die Folge dieser Entwicklung: Alteingesessene und schlechter Verdienende werden von Neuzuzügern verdrängt, die die teureren Mieten bezahlen können.
 
Um diese Entwicklung einzudämmen, werden seit Jahresbeginn Immobilienbesitzer beim Umbau und der Sanierung ihrer Häuser und Wohnungen  teils massiv eingeschränkt.  So ist  es verboten in einer kleineren Wohnung ein zweites Badezimmer einzubauen, oder  Balkone oder grosse Terrassen anzubauen. Cheminées, Doppelwaschbecken, Einbauküchen oder  Bodenheizungen stehen vielerorts ebenfalls auf dem Index. Das seien alles Dinge, die die Mietpreise in die Höhe trieben, erklärte Baustadtrat Jens-Holger Kirchner vor Kurzem in der „Frankfurter Allgemeinen“. Für den Prenzlauer Berg kämen diese Massnahmen 15 Jahre zu spät. „Für den Rest von Pankow kommen sie genau richtig“, glaubt Kirchner.
 
Dass die Bezirke mit ihrem Vorschriftenkatalog Investoren abschrecken, nähmen sie billigend in Kauf, kritisiert die „Berliner Morgenpost“ im Leitartikel ihrer aktuellen Ausgabe. Berlin sei es über Jahre nicht gut gegangen, beide Teile seien von aussen finanziert und aufgepäppelt worden. Das habe augenscheinlich die Mentaltität geprägt: Private Investoren gelten als irgendwie verdächtig. Auch ein Boom wolle gelernt sein, sonst sei er schnell Geschichte. (mai)