Bergregionen müssen den Anschluss halten

Bergregionen müssen den Anschluss halten

Gefäss: 
Graubünden wie Glarus liegen in topografisch schwierigen Bergregionen. Um den Anschluss an die restliche Schweiz nicht zu verlieren, sind sie zunehmend auf sich selbst gestellt. Die Bauwirtschaft ist zum grossen Teil an Erfolg oder Misserfolg der kantonalen Standort- und Wirtschaftspolitik gebunden.
 
 
Fährt man von Zürich aus mit dem Auto oder der Bahn Richtung Chur, tangiert man vor dem Walensee das Glarnerische Linthland und durchquert dahinter das Bündner Rheintal. Beide Regionen spielen für die Bergkantone Glarus und Graubünden jeweils dieselbe wichtige Rolle als besonders geförderte urbane Entwicklungsgebiete. Hier wird seit einigen Jahren im Rahmen der jeweiligen Standortpolitik Baugrund zu möglichst vorteilhaften Konditionen verfügbar gemacht, vornehmlich für Industrie- und Dienstleistungsunternehmen1.
 

Herausforderung Topografie

 
Die Motive hinter solchen Bestrebungen sind von der Topografie vorgegeben. Bergregionen müssen das wenige Flachland, das ohne Umwege von wirtschaftlich dominanten Zentren wie Zürich und St. Gallen aus erreichbar ist, optimal nutzen. Graubünden und Glarus liegen auf überwiegend problematischem Territorium: abgelegen, verkehrstechnisch schwer erschliessbar, von Naturgefahren bedroht und vielfach unproduktiv (41,1 Prozent in Graubünden, 36,7 Prozent in Glarus). Weite Teile davon gehören zu jenen Randregionen, welche die schweizerische Regionalpolitik zunehmend sich selbst überlässt, was wiederum Auswirkungen auf die Standortqualität hat: Beide Kantone sehen sich im jüngsten Credit-Suisse-Kantonsranking2 als «unterdurchschnittlich attraktiv» auf die Plätze 19 (GR) und 22 (GL) abgedrängt.
 
Beide Kantone unternehmen allerdings auch grosse Anstrengungen, um den wirtschaftlichen Anschluss an die restliche Welt zu halten. Das ist nicht neu. Ökonomische Eigenverantwortung und Selbsthilfe sind für Berggebiete selbstverständlich, auch wenn sie sich oft als blosse «Subventionsempfänger» desavouiert sehen. Glarus etwa leistete historische Pionierarbeit in der Industrialisierung - auf der Basis genügsamer und fleissiger Arbeitskräfte, also nach dem gleichen Schema, wie das heute China und andere ost-asiatische Länder tun. Lange blieb der Kanton eine der höchstindustrialisierten Regionen der Schweiz. Mit einer Reduktion der Gemeinden auf lediglich noch drei ab 2011 geht Glarus standortpolitisch erneut voran. Die Gemeinefusionen gehören zu den Bestrebungen, mittels einer schlanken, leistungsfähigen Verwaltung attraktiv für die Wirtschaft zu bleiben und gezielt Wachstumshemmnisse und Hindernisse für die Ansiedlung von Unternehmen zu beseitigen.
 
Lesen Sie den ganzen Artikel von Paul Batt und Alfonso Tedeschi in der aktuellen Ausgabe, der Nummer 37.