«Bequeme Alternative zum Auto»

«Bequeme Alternative zum Auto»

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Ein halbes Jahr nach der Schweiz hat auch Italien die Arbeiten für den Bau der S-Bahn-Linie Mendrisio–Varese in Angriff genommen. Mit der neuen, rund 18 Kilometer langen Bahnverbindung sollen die Verkehrsprobleme im schweizerisch-italienischen Grenzgebiet behoben werden.
 
Grosser Bahnhof in Arcisate, nördlich des Lombardischen Provinzhauptortes Varese: Auch auf italienischer Seite hat nun der Bau der neuen Bahnlinie Richtung Mendrisio begonnen. Der Spatenstich erfolgte im Beisein der italienischen und der Tessiner Behörden. Rund 43 000 italienische Grenzgänger fahren täglich mit dem Auto ins Tessin zur Arbeit, rief der Tessiner Staatsrat Marco Borradori in Erinnerung. Dies führe dazu, dass der Verkehrsfluss im Sottoceneri oft äusserst zähflüssig sei. Mit der Inbetriebnahme der Bahn zwischen der 83 000-Einwohner-Stadt Varese in Italien und Mendrisio hätten die italienischen Pendler fortan eine bequeme Alternative zum Auto.  
 
Die 17,7 Kilometer lange Bahnlinie zwischen Mendrisio und Varese bietet dem Tessin noch weitere Vorteile: So verkürzt sich die Reisezeit Richtung Romandie um bis zu zwei Stunden. Dank der neuen Bahnstrecke erhält das Tessin nämlich eine rasche Verbindung zur Simplon-Lötschberg-Achse. Die Schleife über Luzern oder Zürich erübrigt sich künftig. Zudem erhält die Region Mendrisio-Varese einen Bahnanschluss an den Mailänder Flughafen Malpensa.

Neue Verbindungen

Die italienischen Behörden versprechen sich davon ein weiteres Wachstum des Flughafens. «Wir wollen Malpensa zum grössten Hub Südeuropas machen», sagte Roberto Formigoni, der Präsident der Region Lombardei, in seiner Rede in Arcisate. Bisher sei Malpensa vor allem nach Süden ausgerichtet gewesen. Mit der neuen Bahnlinie werde nun auch das Voralpengebiet zwischen Langensee und Comer See besser erschlossen. Dies sei nicht zuletzt für die Expo 2015, die in Mailand stattfinden wird, von zentraler Bedeutung.
 
Die strategische Bedeutung der S-Bahn-Linie fasste Formigoni daher mit dem Superlativ «fondamentalissimo», in höchstem Mass grundlegend, zusammen. Die gute Laune der Festredner konnten auch einige Einwohner von Arcisate nicht stören, für eine «menschengerechtere Linienführung» demonstrierten und bessere Lärmschutzmassnahmen forderten. Zudem befürchten sie, dass auf der neuen Linie auch Güterzüge verkehren würden. Dem widersprachen die Behörden: Die S-Bahn sei einzig und allein für den Personenverkehr bestimmt, sagte etwa Borradori.
 
Für die Schweiz entstehen durch den Neu- und Ausbau der 6,5 Kilometer langen Strecke zwischen Mendrisio und dem Grenzort Stabio Kosten in der Höhe von 134 Millionen Franken. Davon geht je die Hälfte zu Lasten des Kantons Tessin respektive des Infrastrukturfonds des Bundes. In Italien, wo zwei Tunnels von 890 respektive 950 Metern Länge sowie ein 438 Meter langer Viadukt gebaut werden müssen, belaufen sich die Kosten auf über 220 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2013 abgeschlossen sein.