Bei Geberit sprudeln die Gewinne

Bei Geberit sprudeln die Gewinne

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Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im ersten Halbjahr Gas gegeben. Schub verlieh eine starke Baukonjunktur in Teilen Europas sowie die Übernahme des finnischen Badausrüsters Sanitec. Dies liess die Gewinne sprudeln. Die Aktie erklomm ein neues Allzeithoch.

An der Schweizer Börse legte der Titel am Dienstag bis kurz vor Mittag einen Kurssprung von 4,7 Prozent auf 420,60 Franken hin, obwohl der Gesamtmarkt SMI um 0,4 Prozent im Minus notierte. Zwischenzeitlich wurde bei 422,80 Franken der höchste Stand aller Zeiten erreicht. Damit sind die Aktien alleine seit Anfang August in Erwartung eines guten Quartalsergebnisses um gut 12 Prozent gestiegen. Erst am vergangenen Donnerstag durchbrachen sie erstmals die Marke von 400 Franken. Und die Hoffnungen der Investoren im Vorfeld erfüllten sich: Europas grösster Sanitärtechnikkonzern hat im ersten Halbjahr die Erwartungen der Finanzgemeinde deutlich übertroffen. Analysten zeigten sich von der kräftigen Belebung des Geschäfts im zweiten Quartal positiv überrascht. Auch der Ausblick aufs Gesamtjahr sorgte für Freude.

Gewinn hochgeschossen

Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 1,48 Mrd. Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) kletterte gar um 38 Prozent auf 369,5 Millionen Franken. Unter dem Strich verdiente der Konzern 316,3 Millionen. Das sind satte 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damals hatte der Konzern wegen der 1,29 Milliarden Franken schweren Übernahme von Sanitec allerdings einen Gewinneinbruch um ein Fünftel hinnehmen müssen. Auch im ersten Halbjahr 2016 drückten Kosten für die Integration der Skandinavier mit 17 Millionen auf den Reingewinn. Das sei aber deutlich weniger als im Vorjahreszeitraum mit 51 Millionen, sagte Geberit-Chef Christian Buhl in einer Telefonkonferenz.

Ohne die Übernahme wäre im ersten Halbjahr 2016 das Betriebsergebnis lediglich um einen Fünftel gestiegen, und der Reingewinn hätte sich um knapp 24 Prozent verbessert. Der Umsatz hätte um beinahe 7 Prozent zugelegt.

Gründe für die sehr gute Entwicklung seien Synergien aufgrund der Integration des Sanitec-Geschäfts, das Volumenwachstum und tiefere Rohmaterialpreise, teilte das Unternehmen mit. Zudem halfen Währungseffekte und zwei Arbeitstage mehr als im Vorjahreszeitraum.

Solide Zahlen in der Schweiz

Gut liefen die Geschäfte im grössten Markt Deutschland, der alleine rund 30 Prozent zum Geberit-Umsatz beisteuert. Hier wuchs der Umsatz ohne Akquisitionen und in Lokalwährung um 6,4 Prozent.

Die positive Entwicklung dürfte anhalten, sagte Buhl. Eine Überhitzung des Markts, die andere in der deutschen Baubranche stark engagierte Unternehmen orten, sieht er indes nicht: "Die Nachfrage in Deutschland ist sehr gesund und nachhaltig."

Zweistellige Zuwächse in Prozent ergaben sich auf der iberischen Halbinsel, in Zentral- und Osteuropa sowie in Skandinavien und Österreich. Auch in der Schweiz erzielte Geberit solide Zahlen. Während der Gesamtmarkt nicht gewachsen sei, habe der Konzern den Umsatz um 4 Prozent verbessert, sagte Buhl. "Wir machen einen sehr guten Job in der Schweiz."

Dagegen litt der Umsatz in Grossbritannien und Irland unter dem Vergleich mit einem starken Vorjahresergebnis und nahm lediglich um 1,8 Prozent zu. Der Brexit-Entscheid der Briten habe kurzfristig keinen Einfluss aufs Geberit- Geschäft, sagte Buhl. Einbussen musste Geberit in Amerika (-0,4 Prozent) und in Fernost/Pazifik (-5 Prozent) hinnehmen.

Zuversicht fürs Gesamtjahr

Für das Gesamtjahr zeigte sich der Konzernchef zuversichtlich. In Europa dürfte die Baubranche in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und Polen gut laufen. Besser dürfte es der Bauindustrie auch in Italien und Frankreich gehen, die in den letzten Jahren in der Krise gesteckt hatten.

Kein Wachstum wird dagegen für die Schweizer Bauindustrie prognostiziert. Insgesamt erwartet Buhl für 2016 ein akquisitions- und währungsbereinigtes Wachstum des Nettoumsatzes um rund 5 Prozent. (sda)