Bei Bauprojekten ist Optimismus gefährlich

Bei Bauprojekten ist Optimismus gefährlich

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Wegen Fehlentscheiden, massiver Kostenüberschreitungen und unrealistischer Zeitpläne verschlingen prestigeträchtige Bauprojekte wie die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen Millionen von Euros. Weshalb dies so ist, versuchten Wissenschafter der TU Darmstadt D in einer Studie zu ergründen.

Sie kamen zum Schluss, dass vor allem sogenannte kognitive Verzerrungen bei Entscheidungen der Verantwortlichen die Ursache sind. Erstaunlicherweise schützt auch Erfahrung nicht davor. Das heisst, auch wer schon lange dabei ist, ist nicht vor Selbstüberschätzung und gegen übertriebenen Optimismus etwa bezüglich des Einhaltens von Terminen gefeit.

Zudem zeigt die Studie, dass Projektmanager der öffentlichen Hand mit Abstand die grössten kognitiven Verzerrungen haben und dass Entscheidungsträger in Bauunternehmen im Vergleich dazu deutlich rationaler entscheiden. Wie Andras Pfnür, Professor für Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der TU Darmstadt, der an der Studie mitarbeitete, erklärt, werden in Verwaltung und Politik Entscheider stark daran gemessen, ob ein Prestigeprojekt verwirklich werden kann. „Daher sind die Manager bereit, deutlich höhere Risiken einzugehen – oder sie verdrängen sie.“  In Bauunternehmen, bei denen Immobilienprojekte zum Tagesgeschäft gehörten, seien die Entscheider hingegen emotional weniger stark involviert und die Anreize etwas anders gelagert. „Die Unternehmen wollen Geld verdienen, und wenn das Projekt gegen die Wand fährt, zahlt der Auftraggeber nicht“, so Pfnür.

Die Krux der Erfahrung

In der Studie entpuppte sich grosse Erfahrung nicht nur als Vorteil sondern auch als Nachteil: Sie erhöhte zwar die Genauigkeit bei der Entscheidungsfindung, führte aber gleichzeitig dazu, dass die Probanden die Risiken unterschätzten. Habe jemand bereits viele Entscheide  im Verlauf seines Berufslebens getroffen und Erfahrungen gesammelt, sei sein Bild der Abläufe in der Branche geprägt und die Offenheit für neue Informationen oder das Unerwartete nehme ab, erläutert Pfnür. Es entwickle sich ein „Tunnelblick“. „Je mehr Berufserfahrung, je mehr Fachwissen, je höher in der Hierarchie, desto grösser die Neigung, sich zu überschätzen.“

Darum empfehlen die Wissenschafter den Akteuren Baugeschäfts sich bewusst zu machen, dass sie ihre Entscheidungen nicht immer rational treffen und dass sie diese dahingehend hinterfragen.Hilfreich sei es auch, Entscheidungen grundsätzlich nicht alleine zu treffen und sich auch mit der Sichtweise von jüngeren und weniger berufserfahrenen Projektbeteiligten zu befassen. (mai/mgt)