Bei 100 Prozent Wirkungsgrad ist Schluss

Bei 100 Prozent Wirkungsgrad ist Schluss

Gefäss: 
Im Zusammenhang mit Heizanlagen der Öl-Brennwerttechnik ist häufig von Wirkungsgraden von bis zu 106 Prozent die Rede. Solchen Aussagen geht ein Denkfehler voraus. Denn sie legen den reinen Energiegehalt des Heizöls – Fachjargon: «unterer Heizwert» – als 100-Prozent-Basis für die Messung des Wirkungsgrads zu Grunde.
 
Seine Effizienz ist hervorragend, er ist sparsam und umweltfreundlich. Kein Zweifel: Der Brennwertkessel ist Sinnbild für eine neue Generation im Heizungsbau. Er besticht gegenüber der Niedertemperaturtechnik mit deutlich besseren Werten bei der Abkühlung der Abgase. Dazu nutzt er die Kondensationswärme des darin enthaltenen Wassers. Es entsteht dadurch ein zusätzlicher Wärmegewinn um 10 Prozent – die direkte Kondensation steuert 6 Prozent, die zusätzliche Reduktion der Abgastemperatur 4 Prozent bei. Wer also die Brennwerttechnik nutzt, spart Geld, fossile Brennstoffe und schont die Umwelt vor Abgaspartikeln. Fakt jedoch ist: Wirkungsgrade von über 100 Prozent können nicht erzielt werden. Das schafft selbst die Brennwerttechnik nicht.
 
Wie kommt es zu missverständlichen Angaben? Die Basis für die Wirkungsgradangabe ist: Brennwert statt unterer Heizwert. Konkret heisst das: Der Energiegehalt des im Kessel vorhandenen Heizöls wird stets mit dem unteren Heizwert angegeben. Der gesamte Energiegehalt der Anlage, inklusive Energie aus der Kondensation der Abgase, wird in Form des Brennwerts ausgedrückt. In vielen Werbeerzeugnissen und Prospekten wird fälschlicherweise der untere Heizwert als Basis (100 %) für die Angabe des Wirkungsgrads verwendet. So gerechnet resultiert bei einem Brennwertkessel automatisch ein Wert von über 100 Prozent, weil die Kondensationsenergie oben drauf berechnet wird.
 
Fachlich korrekt ist hingegen, den Brennwert als Basis für diese Kalkulation zu nutzen. Mit dieser Handhabe wird auch klar, dass der Wirkungsgrad eines Öl-Brennwertkessels praktisch immer unter, höchstens aber genau bei 100 Prozent liegt. Durch nicht vermeidbare Oberflächen-, Auskühlungs- und Abgasverluste ergeben sich im Praxisbetrieb Durchschnittwerte von rund 96 Prozent.
 
Auch wenn selbst für sie Wirkungsgrade von über 100 Prozent unmöglich sind, Kondensationskessel mit Brennwerttechnik sind eine bedeutende Errungenschaft im Segment der Ölheizungen. Der Absatz von Brennwert-Kesseln hat im Jahr 2009 um 60 Prozent zugenommen. Diese Entwicklung dürfte sich künftig noch akzentuieren, weil der Einbau von traditionellen Ölheizungen schon heute in verschiedenen Kantonen gar nicht mehr erlaubt ist.