Bauwirtschaft fasst wieder Tritt

Bauwirtschaft fasst wieder Tritt

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Der Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) erreicht im dritten Quartal einen neuen Höchststand von 144 Punkten. Das deutliche Plus von 13,1 Prozent ist zu gleichen Teilen dem Tief- und dem Hochbau zuzuschreiben.

Die Baukonjunktur entwickelt sich im laufenden Jahr besser als 2015. Mussten letztes Jahr noch empfindliche Umsatzeinbussen hingenommen werden, so geht der SBV davon aus, dass das Bauvolumen 2016 höher sein wird als 2015. Das Niveau des Rekordjahrs 2014 werde jedoch nicht mehr erreicht, heisst es in einer Mitteilung.

Der Bauindex für das dritte Quartal des laufenden Jahres befindet sich mit 144 Punkten auf einem neuen Höchststand und zeigt eine Beschleunigung des Aufwärtstrends. Die erwarteten saisonbereinigten Umsätze des Bauhauptgewerbes liegen damit deutlich über dem Vorquartal (plus 6,7 Prozent). Für die Beschleunigung ist laut SBV primär der Wohnungsbau verantwortlich. Aber auch der Wirtschaftsbau erhole sich deutlich. „Während wir nicht von einer raschen Trendwende ausgehen, steigen die Risiken für eine unsanfte Landung der Bauwirtschaft“, warnt der SBV. Eine solche könnte durch einen weiteren Rückgang der Zuwanderung, einen erneuten Einbruch der Konjunktur oder einen Anstieg der Zinsen ausgelöst werden.

Erstarkender Hochbau

Der Index für den Hochbau ist im dritten Quartal 2016 um 10,6 Prozent gestiegen und liegt mit 123 Punkten 13 Prozent über dem Vorjahresquartal. Die Hochbaukonjunktur habe sowohl vom sich rasch erholenden Wohnungsbau (plus 11,1 Prozent) als auch von einem markanten Wiederanstieg der Umsätze im Wirtschaftsbau (plus 13,9 Prozent) profitiert, schreibt der Verband.

Das Wiedererstarken des Hochbaus dürfte zu einem wesentlichen Teil eine Folge der Negativzinspolitik sein. Denn sie hat trotz der eher geringeren Nachfrage nach Wohnungen und Büroflächen zu einer höheren Attraktivität von Immobilien als Anlageklasse geführt. Mit einer raschen Trendwende rechnet der SBV nicht, seien doch die Baugesuche auf hohem Niveau stabil. Die 12-Monatssumme kletterte per Ende des zweiten Quartals auf einen Rekordwert von knapp 31‘500 Wohneinheiten.

Tiefbau wächst weiter

Der Tiefbauindex ist im dritten Quartal um drei Prozent angestiegen. Er liegt damit 13,3 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Demnach dürften die Umsätze in diesem Segment ihren Erholungskurs fortsetzen. Allerdings, so schreibt der SBV, dürfe diese Entwicklung nicht überbewertet werden, seien doch die Tiefbauumsätze typischerweise grossen Schwankungen ausgesetzt und stark von Grossprojekten getrieben. Daher rechnet man innert Jahresfrist auch eher wieder mit leicht rückläufigen Umsätzen. Langfristig besteht aber auch ein hoher Investitionsbedarf bei der Infrastruktur.

Stabile Baupreise

Die Baupreise haben sich mit minus 0,1 Prozent im Vorjahresvergleich im ersten Halbjahr 2016 praktisch nicht verändert. Aktuell liegt der Baupreisindex noch 2,9 Prozent über dem Stand von 2009. Für die nächsten zwölf Monate wird mit stabilen bis leicht steigenden Baupreisen gerechnet. Die Nachfrage sei wieder etwas angestiegen, und ausserdem hätten sich die Weltmarktpreise einiger wichtiger Basismaterialien – insbesondere Stahl und Erdölerzeugnisse – positiv entwickelt.

Neubau-Hotspot Westschweiz

Die Projektierungstätigkeit hat mit einem Volumen von 17,1 Milliarden Franken schweizweit ein bisschen nachgelassen. Aktuell liegt sie 4,4 Prozent unter dem zehnjährigen Mittelwert. Beliebt bei Neubauten sind vor allem weite Teile des Genfersee-Bogens und die Kantone Waadt, Freiburg, Luzern, Tessin und Appenzell-Innerrhoden. Unter dem Durchschnitt liegt weiterhin der Alpenraum, wo die Aussichten auf Aufträge für die Bauwirtschaft nur in einzelnen Talschaften gut sind. Im Aargau und den beiden Basel ist ein Rückgang der Planung für Neubauten zu verzeichnen.

Bessere Aussichten für Umbauten

Die Zweitwohnungsinitiative wirkt sich positiv auf Umbauten aus. Denn durch die Einschränkung des Baus neuer Zweitwohnungen ist es attraktiver geworden, altrechtliche Wohnungen zu renovieren, unterliegen diese doch keinen Nutzungsbeschränkungen. Das Volumen der eingereichten Umbaugesuche liegt für das erste Halbjahr bei 6,2 Milliarden Franken und damit auf dem höchsten Stand seit Mitte 2014 und 8,1 Prozent über dem zehnjährigen Mittelwert.

Eher wenig läuft in dieser Hinsicht in 47 Regionen, insbesondere im Genfersee-Bogen, im Thurgau sowie den Kantonen Jura und Obwalden. (pd/mt)