Baukultur zum Gesprächsthema machen

Baukultur zum Gesprächsthema machen

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Teaserbild-Quelle: Valentin Rabitsch
Näher zu den Leuten: Der SIA und die Stadt Zürich haben einen gemeinsamen Informationsraum mit grossen Schaufenstern mitten in der Stadt Zürich eröffnet. Dank diesem sollen die Baukultur und die Dienstleistungen des SIA einer breiten Öffentlichkeit näher gebracht werden.
Valentin Rabitsch
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Valentin Rabitsch
Ein Schaufenster zur Vermittlung von Baukultur.


An der Selnaustrasse 6 in Zürich wird jetzt Baukultur vermittelt: Die Stadt und der SIA suchen mit einer ebenerdigen Lokalität mehr Nähe zur Öffentlichkeit. Das mit «trottoir» angeschriebene Lokal, mit dem der SIA und die Stadt Zürich künftig der Frau und dem Mann von der Strasse Baukultur näher bringen wollen, liegt – streng genommen – rund einen halben Meter unter der Eingangsschwelle. Es befindet sich im Nachbargebäude des SIA-Hauses an der Selnaustrasse 6 und wurde von der Architektin Sarah Gatto und ihrem Büropartner Adrian Weber gestaltet. Die beiden waren die Sieger des Nachwuchswettbewerbs, den die Trägerschaft des «trottoir» 2008 durchgeführt hat. Diese setzt sich aus dem Amt für Hochbauten der Stadt Zürich, dem SIA sowie der Zürcher Sektion des SIA zusammen, wobei die drei Parteien zu je einem Drittel in das Projekt involviert sind.

Im neuen Lokal wird das gemeinsame Anliegen umgesetzt, «die wichtige Arbeit der Baukultur schaffenden Fachleute auf Passantenhöhe und damit am Puls des städtischen Lebens der Öffentlichkeit näher zu bringen». Definiert wird der weisse Raum mit den zwei grossen Schaufenstern und dem roten Naturkautschukboden als Ort der Information und des Dialogs. Er soll als Anlaufstelle dienen, um sich über Projekte, Angebote und Dienstleistungen des SIA und der Stadt Zürich zu informieren. Zudem sollen junge und kleine Architektur- und Ingenieurbüros des SIA periodisch Gelegenheit erhalten, sich in knapper Form zu präsentieren. Im Gegensatz zum Architekturforum an der Brauerstrasse 16 ist das «trottoir» weniger als Ausstellungslokal, dafür umso mehr als Dienstleistungsstelle konzipiert.

Am 19. Oktober wurde das Lokal eingeweiht – vor einem grossen Publikum, das allerdings noch nicht ganz dem angestrebten Zielpublikum entsprechen dürfte: Zugegen waren in erster Linie die «Baukultur» schaffenden und verwaltenden Fachleute. Als Vorsteherin des Hochbaudepartements wies Kathrin Martelli in ihrer Rede auf die Themen hin, mit denen die Zürcher Öffentlichkeit künftig beziehungsweise weiterhin konfrontiert sein wird: das neue Kongresshaus, das Stadion Zürich, die Kunsthaus-Erweiterung und, aktuell, die Hochhausinitiative, zu welcher der im «trottoir» Rat suchende Passant einen klaren Ratschlag bekommen dürfte: ablehnen! Insofern scheint das kleine und feine Lokal vor allem im Dienst der grossen Zürcher Bauprojekte zu stehen: Schliesslich sind die Stadt und die Bauwirtschaft, die man ja auch als Schafferin von Baukultur bezeichnen kann, auf die Akzeptanz der grossen Projekte in der Bevölkerung angewiesen. Ruth Genner, die Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, freut sich in ihrer Rede denn auch, dass die Stadt mit ihren baulichen Anliegen bis jetzt in fast allen Fällen eine breite Unterstützung in der Bevölkerung gefunden hat.Urs Spinner, Kommunikationschef des Hochbaudepartements, möchte im «trottoir» auch hinhören, was die Menschen von Architekten und Planern wollen. Nach einem konkreten Umstand gefragt, der die Notwendigkeit des Lokals nachweist, nennt er die Tatsache, dass das Bauen in den Medien zwar intensiv, aber offenbar nicht immer adäquat diskutiert wird: «Muss die Hardbrücke saniert werden, geht ein Aufschrei durch die Billigmedien – im trottoir findet man dazu relevante Informationen. Nicht Boulevard, sondern trottoir.» Das Lokal ist am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils nachmittags geöffnet. (Valentin Rabitsch)