Bauindex: Baugewerbe im Bann der Negativzinsen

Bauindex: Baugewerbe im Bann der Negativzinsen

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Der Bauindex des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) und der Credit Suisse verharrt im ersten Quartal 2017 auf hohen 144 Punkten. Für das laufende Jahr wird mit einer Fortsetzung des Erfolgskurses – getragen vom Hochbau – gerechnet. Die Negativzinsen tun ihr Übriges dazu.

Der Erfolgskurs des Baugewerbes dürfte sich nach Prognosen des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) und der Credit Suisse auch im laufenden Jahr fortsetzen. Laut einer Mitteilung wird er hauptsächlich vom Hochbau getragen, speziell im Mietwohnungsbau. «Der Run auf die im vorherrschenden Negativzinsumfeld attraktiven Immobilienanlagen dürfte sich in einer rekordhohen Anzahl produzierter Wohneinheiten niederschlagen», heisst es. Allerdings sei dieser Bauboom ein zweischneidiges Schwert, denn die durch das Tiefzinsumfeld getriebenen hohen Umsätze beim Hochbau hätten gewissermassen den Charakter eines Vorschusses. «Dieser wird wegfallen, sobald Immobilien für Anleger im Vergleich zu anderen Anlageklassen wieder an Attraktivität verlieren – etwa durch einen Anstieg des Zinsniveaus.» Ausserdem habe sich die Nachfrage nach zusätzlichen Flächen sowohl seitens der Haushalte als auch der privaten Unternehmen zuletzt negativ entwickelt.

Hochbau im Hoch

Der Hochbauindex ist im Vorquartalsvergleich um vier Prozent angestiegen und liegt derzeit mit 121 Punkten 10,9 Prozent über dem ersten Quartal 2016. Im Wohnungsbau erwarten die Baumeister einen deutlichen Umsatzanstieg (plus 6,7 Prozent), während der Wirtschaftsbau das Niveau des Vorquartals nicht ganz erreicht (minus 2,2 Prozent). Insgesamt aber dürften die Hochbauumsätze des Jahres 2017 laut Mitteilung nochmals zulegen. Man rechnet gar mit ähnlich hohen Umsätzen wie im Rekordjahr 2014.

Als «Treiber der Stunde» macht der SBV den Mietwohnungsbau aus. Im vergangenen Jahr seien rund 24'000 Mietwohnungen fertiggestellt worden – der höchste Wert in den letzten 15 Jahren. «Für das aktuelle Jahr rechnen wir gar mit rund 26'000 neuen Mietwohnungen.» Insbesondere institutionelle Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen würden auf das Betongold setzen, um damit im Negativzinsumfeld unattraktive Anlagen wie Staatsanleihen zu ersetzen.

Allerdings geht gleichzeitig die Nettozuwanderung zurück, letztes Jahr um 16 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte es ähnlich sein. Deshalb geht der SBV davon aus, dass sich «die teilweise bereits vorhandenen Überangebote ausserhalb der Zentren weiter ausdehnen werden».

Tiefbau leicht rückläufig

Im Tiefbau sieht es wenig rosig aus. Nachdem er zwei Jahre angestiegen war, ist der Tiefbauindex nun erstmals wieder gesunken, und zwar um 3,4 Prozent im Vorquartalsvergleich. Die erwarteten Umsätze für das erste Quartal 2017 lägen damit aber immer noch deutlich über dem Vorjahresquartal (plus 11,8 Prozent).

Auch wenn die zuletzt leicht rückläufigen Auftragseingänge und Bauvorhaben auf eine «gewisse Konsolidierung auf hohem Niveau hindeuten», besteht langfristig ein hoher Investitionsbedarf bei der Infrastruktur. Die Baumeister werten das Ja zum Naf (Fonds für die Nationalstrassen und den Agglomerationsverkehr) bei der letzten Volksabstimmung als Zeichen, dass der grundsätzliche politische Wille vorhanden ist, Engpässe in der Verkehrsinfrastruktur zu bewältigen und entsprechende Investitionen zu tätigen.

Höhere Baupreise erwartet

Die Baupreise waren laut Index letztes Jahr leicht rückläufig (minus 1 Prozent) und damit gleich hoch wie vor fünf Jahren. Für die nächsten 12 Monate wird allerdings mit einem leichten Anstieg gerechnet. Die Nachfrage sei wieder etwas gestiegen, heisst es in der Mitteilung. «Ausserdem haben sich die Weltmarktpreise einiger wichtiger Basismaterialien zuletzt eher positiv entwickelt.» (pd/mt)