Baugruben und Finanzlöcher in der Region Basel

Baugruben und Finanzlöcher in der Region Basel

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Teaserbild-Quelle: Visualisierung: F. Hoffmann-La Roche Ltd., zvg

Nach dem 178 Meter hohen Roche-Turm sollen in Basel bald weitere Grossbauten aus dem Boden schiessen. Im Stadtkanton bewegen sich die Bautätigkeiten auf einem hohen Niveau, auch wenn der Zenit überschritten ist. Stark zugelegt hat der Wohnungsbau. Der Kanton Baselland ist in eine Finanzkrise gerutscht.

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Visualisierung: F. Hoffmann-La Roche Ltd., zvg
Der 178-Meter-Turm von Roche war erst der Anfang. Der Pharmariese plant einen zweiten Grossbau, der mit 205 Metern noch höher ausfallen soll

Mit dem im September eröffneten Roche-Turm Bau 1 von Herzog & de Meuron kann Basel das höchste Haus der Schweiz vorweisen. Der 178-Meter-Bau des Pharma-Multis überragt den Zürcher Prime Tower um 52 Meter. Doch der geplante Bau 2 von Roche soll mit 205 Metern ab 2021 sogar noch höher ausfallen.
Auch andere wollen hoch hinaus: Novartis darf auf dem Campus bis 120 Meter hohe Gebäude bauen, der Claraturm soll 96 Meter in den Himmel ragen, und der geplante Baloise-Park beim Bahnhof verfügt über ein Gebäude von 90 Metern Höhe. Das Meret-Oppenheim-Hochhaus auf der Südseite des Bahnhofs wird 85 Meter hoch, der Grosspeter-Tower Richtung Autobahn soll 78 Meter erreichen.

Arbeitsvorrat stark gewachsen
Hochhäuser sind für den neuen Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhard „eine Möglichkeit der Verdichtung“. Er spricht sich dafür aus, künftig vermehrt die Bildung von Hochhausgruppen anzustreben. Die Verdichtung der Stadt am Rheinknie schreitet bereits heute munter voran. Gemäss den Erhebungen des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) bewegen sich die Bautätigkeiten in Basel-Stadt auf einem hohen Niveau, auch wenn der Zenith überschritten ist. Betrug das Volumen im Hoch- und Tiefbau im gesamten Jahr 2014 rund 360 Millionen, belief es sich im ersten und zweiten Quartal 2015 auf 147 Millionen Franken. 67 Millionen steuerte der Wohnungsbau bei.
Stark gewachsen ist in den vergangenen Jahren der Arbeitsvorrat. Gerechnet am Stichtag, dem 1. Juli, verdreifachte sich das Volumen seit 2012 von 81 auf 256 Millionen Franken. Davon entfielen 225 Millionen auf den Hochbau. Der Anteil des Wohnungsbaus schnellte bis Mitte 2015 auf 108 Millionen Franken hoch. Zwei Jahre davor hatte er sich noch auf 47 Millionen Franken belaufen. Kräftig gestiegen ist auch der Arbeitsvorrat im übrigen Hochbau: Das Volumen dieser Geschäftsflächen hat sich seit 2012 auf 97 Millionen Franken verdoppelt.
Trotz des Baubooms herrscht in Basel Raumknappheit. Im vierten Jahr in Folge ist der Leerstand bei den Geschäftsflächen im Kanton Basel-Stadt gesunken. Die kantonale Leerstandserhebung erfasste zwischen 2011 und 2015 einen Rückgang der leer stehenden Industrie- und Geschäftslokale von rund 169 000 auf rund 104 000 Quadratmeter. Den stärksten Rückgang verzeichneten die leer stehenden Büroflächen, die um weitere 19 Prozent abnahmen. Der Immobilienmarkt im Kanton Basel-Stadt entwickelt sich damit gegenläufig zum schweizweiten Trend steigender Büroleerstände.

550 neue Wohnungen in einem Jahr
Die Quote der leer stehenden Wohnungen ist dagegen in Basel leicht gestiegen: von 0,23 auf 0,34 Prozent. Zwischen 2007 und 2014 war die Leerwohnungsziffer von 1,4 auf 0,2 Prozent abgesackt. Am Stichtag, dem 1. Juni 2015, standen gemäss dem Bundesamt für Statistik im Kanton Basel-Stadt 363 Wohnungen leer – 116 mehr als im Jahr zuvor. Der Grund ist die starke Bautätigkeit. So kamen innert Jahresfrist 550 Neubauwohnungen auf den Markt. Die hohe Wohnungsproduktion vermochte das Bevölkerungswachstum von mehr als 1000 Personen mehr als aufzufangen.
Doch für den Schweizerischen Verband der Immobilien-Treuhänder (SVIT) ist dies kein Grund zum Jubeln: Das reiche noch lange nicht, um den Mietwohnungsmarkt nachhaltig zu entspannen. Auch wenn in der Region keine Wohnungsnot herrsche, werde auf städtischem Gebiet insgesamt zu wenig neuer Wohnraum erstellt.

Rückgang auf hohem Niveau
Auch im Kanton Baselland hat sich der Mietwohnungsmarkt leicht entspannt. Die Leerwohnungsziffer ist von 0,32 auf 0,39 Prozent gestiegen. Baselland meldete damit eine nur wenig höhere Quote als Basel, das die tiefste Leerwohnungsziffer in der Schweiz aufweist. Erweitert wurde im Baselbiet das Angebot von Produktions- und Lagerräumen, wie der SVIT beider Basel feststellt.
Die Bauwirtschaft im Baselbiet verzeichnete in der ersten Hälfte dieses Jahres einen Rückgang auf hohem Niveau. Hatte das Volumen im Hoch- und Tiefbau 2014 rund 635 Millionen Franken betragen, belief es sich im ersten und zweiten Quartal 2015 auf 256 Millionen. Knapp 65 Millionen entfielen auf den Wohnungsbau und 55 Millionen auf Büro- und Geschäftsgebäude. 130 Millionen flossen in den Tiefbau. Abgenommen hat der Arbeitsvorrat. Am Stichtag, dem 1. Juli 2015, war er auf 283 Millionen gesunken. Ein Jahr davor hatte er eine Höhe von 393 Millionen erreicht. Im Wohnungsbau nahm der Arbeitsvorrat gegenüber dem Vorjahr von 83 auf 63 Millionen Franken ab, während das Volumen im übrigen Hochbau von 79 auf 29 Millionen schrumpfte.

Sparen, sparen und nochmals sparen
Im Baselbiet liegt die Wirtschaftskraft pro Kopf weit über dem schweizerischen Durchschnitt, und die Wohnbevölkerung wächst. Trotzdem rutscht der Kanton immer tiefer in die roten Zahlen. Das achte Jahr in Folge steht ihm ein negativer Rechnungsabschluss ins Haus. Das strukturelle Defizit in der Erfolgsrechnung beträgt 113 Millionen Franken. Zu den ungelösten Problemen des Kantons gehören die abnehmenden Steuererträge und die ungebremst steigenden Spitalkosten. Die Regierung sieht nur einen Weg: sparen, sparen und nochmals sparen. Von einer Steuererhöhung will sie nichts wissen. Der Regierungsrat hat bereits 132 Massnahmen verabschiedet, die den Haushalt bis ins Jahr 2019 um 188 Millionen Franken entlasten sollen.
Er wollte zunächst auch jährlich 25 Millionen Franken bei der Universität Basel und 5 Millionen bei den Kulturinstitutionen sparen. Ein Aufschrei der Empörung ging durch Basel. In diesem Herbst rauften sich die Regierungen beider Basel zusammen und handelten einen spektakulären Partnerschafts-Deal aus: Basel-Stadt will zwischen 2016 bis 2019 einen «Entlastungsbeitrag» von 20 Millionen Franken pro Jahr an Baselland zahlen. Ein noch nie dagewesener Vorgang. Im Gegenzug soll sich der finanziell angeschlagene Landkanton verpflichten, die Beiträge an die Universität und an das Kulturangebot bis 2019 beizubehalten. Doch die Vereinbarung ist in beiden Kantonen auf Ablehnung gestossen.

Volk bodigt teures Strassenprojekt
Trotz der Finanznöte will Baselland 2016 über 194 Millionen Franken investieren. Die geplanten Investitionen müssen fast vollumfänglich durch neue Schulden finanziert werden. Die bedeutendsten Tranchen sind für Bildungsbauten vorgesehen: 76 Millionen für den Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz, 30,9 Millionen für den Neubau des Biozentrums auf dem Basler Schällemätteli sowie 16,4 Millionen für die Sanierung und Nutzungsanpassungen am Gymnasium Münchenstein. Unangetastet lassen die Regierung und das Kantonsparlament auch Investitionen ins jetzt schon bestens ausgebaute Strassennetz. Zur Lösung der Verkehrsprobleme in der Agglomeration rund um Basel wurde ein neues Strassenprojekt für 1,8 Milliarden Franken beschlossen, das aber vom Stimmvolk bachab geschickt wurde. (stg)

Das vollständige Dossier über die Bauregion Basel finden Sie in der Baublatt-Ausgabe vom 20. November 2015.