Bauen Private kostenbewusster?

Bauen Private kostenbewusster?

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Im Budget der Stadt Zürich für 2011 wird mit einem 200 Millionen Franken-Defizit gerechnet. Die Bürgerlichen wollen dies nicht hinnehmen darum das drohende Minus wegsparen. Damit droht eine Rückweisung des Budgets 2011. Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) stiess in einem Artikel zu diesem Thema in ein Wespennest.
 
Anhand von Zahlen wirft die NZZ Fragen auf: So kostete der Bau des Schulhauses Leutschenbach von Christian Kerenz über 64 Millionen Franken. Die jüngsten fünf städtischen Schulhäuser verursachten Quadratmeter-Kosten zwischen 3900 und 5'400 Franken. Bei der Zurich International School in Adliswil beliefen sich die Baukosten pro Quadratmeter hingegen nicht einmal auf 2’300 Franken. Ein öffentliches Züri-WC schlägt mit durchschnittlich 350'000 Franken zu Buche, die Renovation des Stadthauses mit fast 60 Millionen. Auch im Wohnungsbau gestaltet sich die Situation laut NZZ ähnlich. Die sozial orientierten Baugenossenschaften bauen wesentlich günstiger als die Stadt. Laut NZZ kostete der Bau der 150 städtischen Sozialwohnungen Werdwies 70 Millionen Franken, das heisst 3’690 Franken pro Quadratmeter. Beim Bau der vergleichbaren Siedlung Wolfswinkel der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich liegen die Quadratmeterkosten bei 2’712 Franken. Finanzvorstand Martin Vollenwyder vertrat kürzlich im „Tages-Anzeiger“ die Ansicht, dass Zürich günstiger bauen könnte.
 
Erklärungen für diese Unterschiede gibt es. So zitiert die NZZ den Präsidenten des Verbands für Wohnungswesen Peter Schmid, der zu bedenken gibt, dass grosse Organisationen, auch Pensionskassen, generell teurer bauten. Er nennt zwei Probleme: Es koste viel Geld, wenn man nicht zu Anfang an genau wisse, was man will. Zweitens, wenn während des Prozesses laufend Änderungen und Zusatzwünsche angemeldet werden, was gerade bei öffentlichen Bauten fast die Regel sei. Um dem Problem zu hoher Baukosten zu begegnen, hat die Stadt Zürich 2003 das Programm „Zürich baut gut und günstig“ lanciert, bisher allerdings mit wenig Erfolg. So seien die zehn Prozent Reserve, die von der Stadt bei Bauprojekten von Anfang. Ein Mangel könnte gemäss NZZ auch sein, dass bei Wettbewerben die Jurys der Kostenseite eines Projektes wenig Beachtung schenken. Als Beispiel führt die NZZ den Jury-Bericht für das Schulhaus Pfingstweid an, der auf 134 Seiten, keinen Hinweis darüber enthält, was das Schulhaus und der Park kosten dürfe.

Langfristig preiswert

Bereits einen Tag nach Erscheinen des besagten Artikels folgte eine Stellungnahme der Direktorin des Amtes für Hochbauten, Wiebke Rösler, in Form eines Interviews ebenfalls in der NZZ. Darin verweist sie beim Schulhauskosten-Vergleich auf Unterschiede bei den Baugründen, auf die städtischen Standards, die erfüllt werden müssten. Dabei geht es etwa um verstellbare Wandtafeln, Wasseranschlüsse auch in Gruppenräumen. Gleichzeitig verweist Rösler auf den spartanischen Innenausbau der Privatschule. Die 70 Millionen schwere Siedlung Wolfswinkel bezeichnet sie als Ausnahme. Zudem stellte widerspricht sie der Feststellung, dass Wohnbaugenossenschaften günstiger bauen: Es sei wichtig, dass die Stadt auf dem Wohnungsmarkt präsent sei. In Bezug auf die architektonische Qualität habe die Stadt eine Vorbildrolle, die allen zugute komme. Die Stadt Zürich baue Häuser, die man brauchen könne, auch im Hinblick auf die 2000 Watt-Gesellschaft. Zürich lege grossen Wert auf die Nachhaltigkeit der Bauten. Qualität habe eben ihren Preis, sei aber auf längere Sicht preiswert. (mai)