Bauen mit Knick

Bauen mit Knick

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Teaserbild-Quelle: mrm
Für rund 90 Millionen Franken erstellt die Baugenossenschaft Sonnengarten am Fusse des Uetlibergs 194 Wohnungen. Ab Oktober sollen die beiden lang gezogenen, mehrfach geknickten Gebäude bezugsbereit sein. Noch fehlen ein Stück Tiefgarage, zehn Meter Erde – und ein bisschen Wärme.
 
 

Links zu Beteiligten

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Weitere beteiligte Firmen

Bauingenieure
 
Elektrische Installationen
Delag AG, Zürich
 
Innentüren aus Holz
 
Gipserarbeiten (Haus Süd)
SA.MA GmbH, Mönchaltdorf
 
Sonnen- und Wetterschutztechnik
Storama AG, Burgistein-Station
 
Bauingenieure
 
 
 
Triemli heisst die Endstation der Tramlinie 14, welche von Oerlikon her kommend die ganze Stadt Zürich durchquert. Hier wird seit Ende der 90er-Jahre für insgesamt über 400 Millio­nen Franken etappenweise das Stadtspital Triemli ­saniert. Die Arbeiten am Spital, die 2017 abgeschlossen sein sollen, sind nicht der einzige Grund dafür, dass das Triemli zurzeit mehr Bau- denn Haltestelle ist: Wer dem Tram entsteigt, sieht sich zwei voluminösen Rohbauten gegenüber, die im Auftrag der Wohnbaugenossenschaft Sonnengarten entstehen. Fünf Krane arbeiten auf Hochtouren, damit die 194 Genossenschaftswohnungen wie geplant im Herbst bezugsbereit sind.

Die beiden Neubauten ersetzen eine Gruppe von Wohnhäusern, die in den 40er-Jahren entstanden sind. Ziel der Bauherrschaft ist die Erstellung einer zeitgemässen, dem Minergie-Standard genügenden Siedlung mit preisgünstigen Wohnungen, schwerpunktmässig für Familien. «Die ursprüngliche Qualität des Wohnens in einer durchgrünten Umgebung sollte dabei erhalten und mit einer gesteigerten Wohnqualität, optimaler Ausnutzung und verbessertem Lärmschutz verbunden werden», sagt Franziska Müller vom Architekturbüro von Ballmoos Krucker. Mit der Grossform reiht sich die neue Siedlung in die Tradition der grossmassstäblichen Bebauungen im Quartier ein.

Den letzten Meter ausgenutzt

Trotz ihrer beachtlichen Grösse – das südliche Gebäude ist zirka 210 Meter lang, das nördliche 160 Meter – wirken die beiden Häuser nicht überdimensioniert. Wer um die Siedlung herumgeht, sieht die Gebäudekörper nie in ihrem vollen Ausmass, weil sie im Grundriss mehrfach geknickt sind. «Die Knicke sind städtebaulich ­motiviert, brechen die Grossform und fügen die Gebäude sanft in den Hang ein», erläutert ­Franziska Müller. Die bis zu siebengeschossigen Bauten schirmen zudem den parkartigen Siedlungsraum vom Strassenlärm ab.
 
Anfang Februar klafft zwischen den beiden ­Gebäuden noch ein Loch: Bis Ende März entsteht hier der letzte Teil der unter den Gebäuden ­liegenden Tiefgarage. «Wir haben diese Lücke während der Bauzeit als Einfahrt in den Innenhof genutzt», erklärt Bauleiter Thomas Frick von der GMS Partner AG. Um diese Zufahrt zu erhalten, wurde mit dem Tiefbau noch zugewartet.
 
Abgesehen von diesem Verbindungsstück sind die Rohbauten bereits seit Dezember 2010 ­abgeschlossen: Damals wurde das letzte von rund 3000 Fassadenlementen installiert – 13 Monate nach dem ersten. Hergestellt wurden die Fertigbauteile in einem externen Werk, das sie entsprechend dem Baufortschritt sukzessive anlieferte. Die Beton-Sandwichelemente enthalten nicht nur das Dämmmaterial, sondern sind auch statisch wirksam.

Rasanter Baufortschritt

In rasantem Tempo ist der Bau seither fortgeschritten. «Mittlerweile ist im Haus Nord das Dach dicht, im Haus Süd sind wir Ende März ebenfalls so weit», erklärt Frick. Zugleich macht der Innenausbau täglich Fortschritte: In den Wohnungen sind etappenweise Gipser, Unterboden- und Parkettleger sowie Maler an der Arbeit. Bereits fertig ausgebaut sind zwei Musterwohnungen. Sie  vermitteln Interessenten einen Eindruck der Innenausstattung. Während im Haus Nord Parkett verlegt wird, weist das Haus Süd einen Zementgussbelag auf. Ansonsten ist der Ausbaustandard der gleiche – ebenso das Grundkonzept des Durchwohnens: «Die Ausrichtung der Gebäude und die Dimension des Hofraumes verschaffen allen Wohnungen sowohl Bezug zum Üetliberg im Süden als auch zur Stadt im Norden. Jede Wohnung verfügt deshalb über zweiseitig orientierte Wohn-Essräume, die den doppelten Aussenbezug erleben lassen und den Charakter der Wohnungen prägen», sagt ­Architektin Franziska Müller.

Der begrünte Innenhof soll künftig ein Treffpunkt für die Bewohner der Siedlung sein. Sehr lebhaft geht es auf dem Platz aber schon seit Beginn der Bauarbeiten zu und her. Hier standen die Beton­anlage und ein 65-Meter-Kran, zugleich musste für die Lastwagen, die das Baumaterial anlieferten, genügend Raum zum Manövrieren bleiben. Genügend Platz freizuhalten, wurde ab Oktober 2009 zur Heraus­forderung. «Wir haben den letzten Meter ausgenutzt», sagt Thomas Frick. Eng wurde es ab diesem Zeitpunkt, weil das Elektrizitätswerk der Stadt ­Zürich (EWZ) mitten auf dem Installationsplatz einen Bohrturm aufstellte, um im Untergrund nach heissen Quellen zu suchen (siehe «Nachgefragt»).

Wäre das Projekt erfolgreich verlaufen, hätte nicht nur die Überbauung, sondern auch das nahe ­gelegene Triemli-Spital mit Wärme aus fast 3000 Metern Tiefe ­versorgt werden können. «Leider hat sich diese Hoffnung zerschlagen», sagt Frick. Es wurden keine wasserführenden Schichten im Untergrund entdeckt.

Tiefe Erdwärmesonde bringt Wärme

Dennoch werden die Bewohner der Siedlung nicht frieren müssen: Anfang Jahr hat das EWZ – es ist als Contracting-Partner für die Wärmeversorgung der Liegenschaften verantwortlich – eine tiefe Erdwärmesonde (TEWS) in das Bohrloch ­eingebaut. Diese Technologie kommt dort zum Einsatz, wo eine hydrothermale Nutzung nicht ­ergiebig genug wäre. Weil diese Sonde allein noch nicht genug Energie liefert, wird das EWZ in den nächsten Monaten weitere, herkömm­liche Erdsonden auf dem Gelände bohren.

Logistisch sei der Bohrturm mitten auf der Baustelle eigentlich kein Problem gewesen, sagt Frick. «Die Arbeiten haben sehr gut nebeneinander funktioniert.» Dennoch verursachten die ­Probebohrungen indirekt einigen Mehraufwand. Um das Bohrgerät aufzustellen, war es nötig, den Installationsplatz einzuebnen und zu asphaltieren. Weil das Areal stark abschüssig ist, mussten dafür grosse Mengen Erdreich abgetragen werden – entlang der Fassade des südlichen ­Gebäudes waren es acht bis zehn Meter. Deshalb führen die Hausausgänge derzeit noch in den Abgrund. «Insgesamt haben wir 14 000 Kubikmeter Boden abgeführt», sagt Frick. «Dieser Berg muss nun wieder aufgeschüttet werden.» Schon ganz zu Beginn der Bauarbeiten hatte der lehmige Unter­grund – erwartungsgemäss – für Umtriebe gesorgt. Beim Aushub, der im April 2009 begann, seien Pfählungen für die Bau­grubenabschlüsse und die Fundationen nötig ­gewesen. «Das machte den Tiefbau ziemlich ­kostenintensiv», erklärt Frick.

Um die Ausführung zu vereinfachen, wurde die Grossbaustelle intern aufgeteilt: «Für beide ­Gebäude gibt es einen eigenen Bauleiter», sagt Frick. So wurde zudem bei einzelnen Arbeits­gattungen auch darauf geachtet, dass diese ebenfalls in Losen vergeben wurden.

Zwei Baustellen in einer

Eher ungewöhnlich war auch, dass mit der Marti AG ein einziges Unternehmen für Aushub und Spezialtiefbau sowie für Elemente und ­Baumeisterarbeiten verantwortlich war. «Damit gingen 35 Prozent der Bausumme an ein Unternehmen», sagt Frick. Dadurch habe sich aber auch die Zahl der Schnittstellen deutlich reduziert. Auch das angenehme Verhältnis zur ­Bauherrschaft habe die Arbeit enorm erleichtert, sagt Bauleiter Frick rückblickend. Die pünktliche Fertigstellung der Wohnsiedlung scheint daher reine Formsache – einschliesslich Ausgängen, die niemanden in den Abgrund stürzen lassen. (mrm)
 

Übrige Beteiligte

Bauherrschaft
Baugenossenschaft Sonnengarten, Zürich
 
Architektur
von Ballmoos Krucker Architekten AG, Zürich
 
Bauleitung/Kostenplanung
GMS Partner AG, Zürich