Bauen mit Bomben: Brachiale Bauprojekte

Bauen mit Bomben: Brachiale Bauprojekte

Gefäss: 

Beim Bau von Megaprojekten mit Hilfe von Atombomben Millarden von Dollars einsparen – davon träumten die Vereinigten Staaten während der 50er- und 60er-Jahre. Unter dem Codenamen «Plowshare» dachte man über verschiedene Projekte nach, bei denen Atombomben hätten gigantische Landmassen wegsprengen sollen.

So plante man etwa aus der Küste Alaskas einen Instanthafen herauszubrechen. Dabei wäre es um zirka die 30fache Wirkung der Atombombe von Hiroshima gegangen. Unter anderem wegen der relativ kurzen eisfreien Zeit in jener Region, verschwand das Projekt aber in der Schublade.

Eines der Lieblingsprojekte der Atomenergiebehörde war der Nicaraguakanal, welcher den vielbefahrenen Panamakanal hätte entlasten sollen. Wie das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» damals berichtete, hätte das Projekt bei einer Realisierung mit traditionellen Baumethoden rund 20 Milliarden Mark gekostet, mit Hilfe von nuklearen Sprengsätzen lediglich zwei Milliarden. «Das Bild der Riesenbaustelle wird ungewohnt sein», prophezeite  der Autor des Artikels. Statt einer Armee von Bauarbeitern mit Planierraupen, Riesenbaggern  und Waggonladungen von Dynamit würden nur kleine Trupps von Atommineuren anrücken, um den gigantischen Erdaushub vorzubereiten. «Mit Spezialbohrtürmen, ähnlich denen der Ölsucher, werden sie in genau vermessenen Abständen entlang der Kanaltrasse Bohrungen niederbringen und dann die atomaren Sprengladungen in den Bohrlöchern deponieren: 300 Atomminen unterschiedlicher Sprengkraft sollen ausreichen, um die 78 Kilometer lange Kanalfurche in den Isthmus zu sprengen.»

Für die schwierigen Gebiete rechnete man mit Sprengsätzen von der 50fachen Kraft einer Hiroshimabombe. Die ganz harten Brocken sollten schliesslich mit noch einmal fünfzehn Mal stärkeren Ladungen herausgebrochen werden. Dabei würden «buchstäblich ganze Berge in die Luft gesprengt». So weit kam es nicht. Das Projekt blieb zwar aktuell, nicht aber die Art und Weise seiner Umsetzung. Vergangenen Dezember war es so weit, die Arbeiten am Kanal starteten in Nicaragua – natürlich ohne den Einsatz von Atombomben. (mai)

Promotionsfilm der Atomenergiebehörden für das Plowshare Programm (Youtube)